Einen Doktortitel vor seinem Namen, einen weißen Kittel, sehr guter Verdienst und der vermeintlich tägliche Kampf gegen den Tod. Für viele ist das Medizinstudium ein Traum. Dennoch habe ich mich dazu entschieden, das Medizinstudium abzubrechen. Meine Gründe dafür und ob ich den Abbruch bereue, erfahrt ihr in diesem Artikel. 

mein Weg vor dem Medizinstudium

Seit dem Abitur habe ich kaum was anderes gemacht, als mich auf das Studium und ein Leben in der Medizinerwelt vorzubereiten. Erst habe ich eine Ausbildung als Rettungsassistent gemacht und auch in diesem Bereich gearbeitet. Daraufhin habe ich sogar ein Stipendium bekommen. Damit konnte ich jede Qualifikation in diesem Bereich erwerben. Ich habe eine Spezialisierung auf Großschadenslagen gemacht. Als Erste-Hilfe-Ausbilder habe ich schließlich sogar selbst ausgebildet. In dieser Zeit habe ich fast jede Schicht übernommen, die ich übernehmen konnte. Es gab Monate, in denen ich bis zu 250 Stunden gearbeitet habe. Jahrelang war ich weder Silvester noch Weihnachten zu Hause, sondern lediglich auf Rettungswachen. 

Irgendwann hat sich jedoch mein Körper gemeldet. Die Diagnose Bluthochdruck hat mir gezeigt, dass ich etwas zurücktreten sollte und eine Auszeit brauche. Schließlich haben Miri und ich uns das erste Mal dazu entschieden, eine längere Reise nach Neuseeland anzutreten. Nach unserem sieben-monatigen Trip, haben wir uns gegen einen Wiedereintritt in den Rettungsdienst entschieden. Sieben Monate lang haben wir als Surfleher gearbeitet. Schließlich ging es für uns ein zweites Mal nach Neuseeland und das hat uns nochmal in ganz besonderer Art und Weise geprägt. Wir sind einen der härtesten Fernwanderwege der Welt gegangen. Dadurch haben wir wirklich unsere mentalen und körperlichen Grenzen kennengelernt und unsere Komfortzone erweitert. Wir sind mutiger und entschlossener denn je nach Deutschland zurückgekehrt und haben uns sofort als Fotografen selbstständig gemacht. Denn wir wussten genau: Wir könnten nie wieder in einem normalen Angestelltenverhältnis arbeiten. 

Im Oktober 2018 ging das Studium schließlich los. Zu Beginn hatte ich nur positive Gefühle. Ich sprühte regelrecht vor Glück. Doch ohne es richtig zu merken, hatte der Anfang vom Ende meiner Medizinerkarriere begonnen. 

Die folgenden zwei Bücher haben mich besonders zum Nachdenken gebracht und sind eine absolute Leseempfehlung:

The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben*

Das Cafè am Rande der Welt*

Fotografieren auf Reisen

Reisen bedeutet Erleben. Erleben bedeutet Erinnerungen kreieren. Unsere Reiseerlebnisse halten wir am Liebsten mit unseren Kameras fest. Welche Fotoausrüstung bei uns immer mit dabei ist, haben wir hier für euch zusammengefasst!

Was fand ich am Medizinstudium toll? 

Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass ich jeden verstehen kann, der ein Medizinstudium beginnt. Es gibt sehr viele spannende und interessante Fächer. Es gibt kaum etwas cooleres als den Körper des Menschen vertiefend kennenzulernen. Die Atmosphäre unter uns Studenten war ebenfalls toll. Es gab einfach keinen Stillstand. Jeder war motiviert und fokussiert. Es gab niemanden der faul war. Niemals zuvor im Leben hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit so vielen intelligenten Menschen umgebe. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass man dennoch sehr gut mit Medizinern feiern kann und dass das Klischee vom nerdigen 1,0 Abiturienten wirklich nur selten zutrifft. 

Vorab: Bevor ich detailliert auf meine Gründe eingehe, möchte ich festhalten, dass der Medizinstudium Abbruch meine freie Entscheidung war. Der Abbruch lag nicht daran, dass ich Prüfungen nicht bestanden habe und somit exmatrikuliert wurde. Ich war ein normaler Student, der sich noch in der Regelstudienzeit befand.

Was waren meine Gründe für den Medizinstudium Abbruch? 

Kommen wir zum ersten Grund für meine Entscheidung. Ein Studium bedeutet für mich, dass ich die Chance habe, über den Tellerrand hinauszublicken. Ich möchte mich über das normale Arbeitsfeld hinaus bilden können. Egal ob Musikkurse, Sprachkurse, Diskussionsrunden oder ähnliches. Doch all diese Angebote gab es im Medizinstudium leider nicht. Der Stundenplan wurde bereits für einen zusammengestellt, ohne dass man zusätzliche Module wählen oder sich für Prüfungen an- oder abmelden durfte. Selbst wenn die Universität eine übergeordnete Projektwoche für alle Fakultäten organisiert hat, war die Universitätsmedizin die einzige Fakultät, die nicht mitmachen wollte. Das hat sich ebenfalls im Alltag wiedergespiegelt. In diesem Bereich gibt es wirklich sehr viel Verbesserungsbedarf. Viele MedizinstudentInnen sind sehr unglücklich darüber, immer abseits der anderen Fakultäten zu sein.

Der nächste Punkt ist der Elitegedanke. In keinem anderen Studiengang dreht sich das ganze Leben nur um das Studium. Auf jeder Party und in fast jedem Gespräch spricht man über die gleichen Themen. Man wird oftmals dargestellt, als wäre man die Krone der Schöpfung. Leider unterstützen diese Ansicht auch sehr viele ProfessorInnen. Zum Glück habe ich während meiner Reisen gemerkt, dass es in anderen Ländern nicht so ist. Da ist es nichts besonderes Arzt zu sein, sondern ein Beruf wie jeder andere auch. Dieser Punkt hat letztlich zu einer leicht arroganten Note im Studium geführt. Ich habe mich tatsächlich bei einigen KommilitonInnen gefragt: wann hat es in der Medizin damit begonnen, dass es so sehr um Prestige und Ansehen geht? Warum werden die wirklich wichtigen Dinge so vernachlässigt? Doch das wäre Stoff für ein ganzes Buch und soll jetzt nicht weiter ausgeführt werden.

Strukturelle Mängel und andere Beweggründe

Ein weiterer Grund für den Abbruch meines Medizinstudiums ist die konservative Struktur und Lehre. Sicherlich ist diese Thematik in vielen Bereichen und Studiengängen vertreten. Ich kann aber gar nicht aufzählen, wie oft Professoren und Dozenten mit dem Rücken zu den Studierenden standen und einfach die Folien vorgelesen haben. Dennoch musste man bei vielen Veranstaltungen anwesend sein. Auch wenn diese alles andere als sinnvoll oder produktiv waren. In den mündlichen Prüfungen gab es keinerlei einheitliche Regelungen. Es gab keine Protokollführer und keine definierten Bestehensgrenzen. Es gab Prüfer, die haben einen nach der ersten, nicht beantworteten Frage direkt rausgeworfen. Und dann gab es Prüfer, die dir fünf bis sechs weitere Fragen gestellt haben. Dadurch hatte man die ganze Zeit das Gefühl, der puren Willkür der PrüferInnen ausgesetzt zu sein.

Individualität ist nicht wirklich gewünscht. Man kann keinen Einfluss auf die Struktur und die Vorgaben nehmen. Es ist egal, ob man nebenbei Arbeiten muss oder man wichtige Verpflichtungen hat. Im Medizinstudium kann man sich leider nicht dazu entscheiden, sich von Prüfungen abzumelden. Sondern man muss jede mitschreiben. Dabei ist es unwichtig, ob es sinnvoll ist oder nicht. Auf eine freie Entfaltung der zukünftigen MedizinerInnen wird keinerlei Wert gelegt.

Medizinstudium Abbruch kreativ

Noch mehr persönliche Gründe für den Abbruch

Insgesamt habe ich einfach für mich festgestellt, dass Medizin nicht zu meinen Vorstellungen und zu meinem Lebenskonzept passt. Seitdem ich 15 bin, habe ich eine starke kreative Seite. Ich habe viele Gedichte geschrieben, selbst Musik gemacht und Lieder produziert. Irgendwann kam die Fotografie und die Reiselust dazu. Miri und ich haben uns dann sogar selbstständig gemacht. Wir haben parallel zum Studium stets daran gearbeitet, die Selbstständigkeit noch viel weiter auszubauen. Ich arbeite sehr gerne orstunabhängig und habe dann ziemlich schnell gemerkt, dass es als Arzt einfach nicht möglich ist.

Ich kann es mir für mich nicht mehr vorstellen, im Schichtsystem zu arbeiten und vorgeschrieben zu bekommen, wann ich meine 26 Urlaubstage nehmen darf. Weiterhin sind viele Vorgehensweisen in Kliniken mehr als fragwürdig. Zu oft steht Profit über dem Patientenwohl. Jetzt werden einige sagen, dass ich mich doch auch als Arzt selbstständig machen kann. Dem stimme ich durchaus zu, nur ist es für mich eine Art „Scheinselbstständigkeit“. Ein Arzt muss feste Zeiten aufweisen. Er kann nicht von nachts 23 Uhr bis um 6 Uhr am Morgen oder mal eben so am Sonntag öffnen. Sondern er muss sich den Patienten anpassen. Darüber hinaus ist es nicht möglich, die Praxis einfach mal für sechs Monate zu schließen. Man hat einen Patientenstamm, welchen man betreuen muss.

Sollte jemand denken, dass es mir in meinem Leben nur um Freizeit geht, dann kann ich das ganz klar verneinen. Ich arbeite gern und ich arbeite auch viel. Mir ist es jedoch wichtig, dass ich bei den Spielregeln und den Rahmenbedingungen mitreden darf. Ich will mich dabei einfach zu 100 Prozent wohlfühlen. Denn wenn ich eins im Rettungsdienst gelernt habe, dann dass das Leben viel zu kurz ist um einer Arbeit nachzugehen, die einem keinen Spaß macht und einen nicht erfüllt.

Unser Podcast

Unsere Lieblingsbeschäftigung auf langen Roadtrips? Podcasts hören! Auf dem Outdoornomaden Podcast geht es um das Leben, unsere Selbstständigkeit, und die Fotografie. Eine große Portion Motivation gibt’s noch obendrauf!

Bereue ich den Medizinstudium Abbruch?

Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt. Und da wären wir wieder dabei, dass es sich in vielen Gesprächen oft um das Medizinstudium dreht. Aber um die Frage zu beantworten: Nein, ich bereue es nicht. Ich habe endlich Entscheidungsgewalt über mein Studium und über meine persönliche Entwicklung. Seitdem ich das Studium gewechselt habe, kann ich meine Selbstständigkeit noch viel mehr ausweiten und verbessern. Ich kann endlich die Bereiche in mein Leben integrieren, die mir vorher verwehrt geblieben sind. Dadurch habe ich auch eine deutlich höhere Lebensqualität. Darüber hinaus bin ich kein Freund davon, Entscheidungen zu bereuen. Ich finde, dass man sich einfach zu wichtig nimmt und vielen Entscheidungen viel zu viel Wert beimisst.

Wie ihr seht hatte ich sehr viele persönliche Gründe für den Abbruch meines Medizinstudiums. Doch glaubt mir, die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Dennoch war sie wichtig und für mich die einzig logische Schlussfolgerung. Die Kontraseite konnte weitaus mehr Punkte aufweisen. Auch wenn ich Medizin stets mit Leidenschaft und Ambition verfolgt habe, ist es einfach an der Zeit meinen Weg zu gehen.

Da ich weiß, dass dieses Thema sehr viel Diskussionspotenzial mit sich bringt, würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen!

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27 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Laura Müller
    31. März 2020 00:00

    Ich bin selbst Medizinstudent, habe zuvor etwas anderes gemacht.
    Du hast in allen Punkten recht !
    Viele reden sich das Studium und den Beruf schön und blenden die nicht unerheblichen Schattenseiten aus.
    Wie du sagst das Leben ist viel zu kurz um unglücklich zu sein.

    Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Erfolg ! Ich denke du hast die richtige Einstellung.

    Antworten
    • Danke für deinen lieben Kommentar! Das Thema ist wirklich sehr komplex. Ich kann jeden verstehen, der seine Leidenschaft in diesem Bereich sieht. Ich finde negative Aspekte auch nicht schlimm, da es sie in jedem Bereich des Lebens gibt. Doch ich sehe zu oft, wie Personen und Freunde daran „kaputt“ gegangen sind, aber aufgrund des sozialen Drucks ihre Situation nicht ändern möchten. Die Meinung der Eltern, Freunde und Bekannten ist da oftmals wichtiger, als das eigene Lebensglück. Ich würde mich freuen, wenn sich das in Zukunft etwas ändern würde.

      Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für das Studium und für die Zukunft!

      Liebe Grüße

      Antworten
  • Ich befinde mich gerade in der Situation das Medizinstudium abbrechen zu wollen aus beinahe den selben Gründen, welche du in deinem Text genannt hast. Ich habe seit einem Jahr das Gefühl, jeden Tag aufs Neue aufzuwachen und keine Lust mehr auf mein Leben wie es jetzt ist zu haben. Ich denke manch, dass es gar nicht mein Leben ist, dass mich das alles eh nicht betrifft und meine Prioritätensetzung unterscheidet sich stark von der meiner Kommilitonen. Ich denke daher, dass es auch für mich das beste wäre aufzuhören. Was mich jetzt noch hemmt ist die Tatsache, dass ich meiner Familie und meinen Freunden diese Nachricht irgendwie beibringen muss. Hast du dafür ein paar Tipps?

    Vielen Dank für diesen unglaublich inspirierenden Artikel, er hat mich in dieser Situation sehr optimistisch gestimmt 🙂

    Antworten
    • Erstmal Danke für die Nachricht. Ich finde es immer wieder unglaublich, wie viele Nachrichten ich zu diesem Thema erhalte. Das Thema es seinen Eltern beizubringen scheint in der Tat anfänglich schwierig. Doch ich finde es immer wieder wichtig zu realisieren, dass man eigenständig ist und seinen eigenen Weg gehen möchte. Du musst in deinem Leben glücklich werden und einen Weg gehen, den du toll findest, nicht einen Weg den deine Freunde oder Familie toll findet. Vielleicht werden sie anfänglich etwas traurig sein oder verwirrt, aber das sollte sich legen. Besonders wenn sie sehen, dass du das nicht abbrichst, um irgendwie den ganzen Tag auf ihren Kosten zu entspannen, sondern aus der Tatsache heraus, dass du weißt was du wirklich möchtest. Ich wünsch dir viel Kraft dafür die richtige Entscheidung zu treffen. Wichtig ist einfach nur, dass du eine Entscheidung triffst die du wirklich möchtest, vollkommen egal was andere davon halten.

      Ganz liebe Grüße

      Micha

      Antworten
  • Isabelle Godmann
    20. Oktober 2020 15:57

    Ich bin auch kurz und drauf das Studium abzubrechen und war froh deinen Artikel gefunden zu haben! Ich bin 32, Biologin, sehr sozial unterwegs und das war auch der Grund Medizin im „Alter“ zu studieren. Menschen und Helfen macht mir einfach Spaß! Ich befürchte jedoch, dass es in der Klinik nun mal nicht so sozial ist wie ich mir das gewünscht hatte, man schnell in diese „Arztspirale“ fàllt und sehe fast nur negative Seiten. Kinder sind bei mir noch nicht mit eingerechnet, sprich das Studium dauert nochmal länger. Meine Prioritäten im Leben sind Freunde und Familie. Das ist mir klar! Wenn ich weiter studiere habe ich Angst die Prioritaten aus den Augen zu verlieren. Mich stört es von Tag 1 an, nicht mehr mein eigener Herr zu sein sondern eben in einen Stundenplan, Nächtelanges lernen usw gepresst zu werden. Warum bin ich mir aber unschlüssig aufzuhören? Ich habe Angst es später zu bereuen und vorzeitig „aufzugeben“. Vllt muss man durch diese Zeit einfach durch? Diese Zeit sind aber mit FA noch 9 Jahre bei mir ( ohne Kinderplanung). Über Denkanstöße wäre ich sehr dankbar.

    Antworten
    • Danke erstmal für deinen ausführlichen Kommentar! Wichtig ist es, dass du wirklich auf dich und dein Gefühl hörst und konsequent entscheidest. Das Thema „bereuen“ spielt selbstverständlich anfänglich ein kleines Problem dar. Nur weiß man nie, welche Entscheidungen richtig sind und welche nicht. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen wäre nicht zielführend.Doch mal ganz ehrlich: Man kann noch nicht mal zu 100 Prozent sagen, ob es richtig war eine Regenjacke einzupacken oder nicht. Geschweige denn kann man heute einschätzen, welche Entscheidung richtig war. Mal andersrum betrachtet, ist es ja zur Zeit so, als würdest du das Studium zur Zeit ebenfalls leicht bereuen. Jedenfalls klingt das so. Ein Satz hat mich übrigens wirklich weiter gebracht: Man darf sich nicht so wichtig nehmen. Wichtig ist es einfach auf sein Gefühl zu hören und danach zu entscheiden. Man muss nur klar identifizieren, ob die negativen Aspekte nur temporär sind oder ob man weiß, dass es sich die nächsten 9 Jahre zu 70 Prozent weiterziehen wird.

      Gerade als Mediziner weiß man, wie kurz das Leben sein kann und daher könnte ich persönlich nicht mit dem Gedanken klar kommen, dass man 9 Jahre lang einfach „da durch“ muss. Niemand sollte knapp 10 Jahre seines Lebens mit etwas verbringen, dass ihn zu 70 Prozent negativ beeinflusst und stresst. Wie das bei dir persönlich aussieht kann ich natürlich nicht einschätzen. Ein letzter Punkt noch: ich beobachte viel zu oft, dass Studierende eine Entscheidung treffen, nur damit ihre Eltern oder Freunde nicht enttäuscht werden. Triff die Entscheidung unbedingt unabhängig von anderen Meinungen und Gedanken.

      Ich möchte niemanden mit dem Artikel beeinflussen, lediglich meine Erfahrungen schildern. Grundlegend ist der Berufszweig echt toll, nur leider war es für mich unter diesen Bedingungen und den Umständen nicht länger möglich.

      Ganz liebe Grüße und viel Erfolg für deinen weiteren Weg!

      Antworten
  • Mir gefällt das Studium auch irgendwie gar nicht mehr. Bin im zweiten Semester. Natürlich ist unter Corona nochmal alles extra nervig. Aber das, was mich stört, ist die Art des Lernens. Mir haben bisher v.a. Chemie und Biochemie gefallen. Da kann ich mit logischem Denken usw. meine Intelligenz auch echt nutzen. Aber in Anatomie usw. fühle ich mich echt wie ein Affe. Wir bekommen drei Atlanten auf den Tisch geklatscht und bekommen 3 Wochen das Zeug auswendig zu lernen (Übertreibung). Das ist für mich kein Problem, wenn das zeitweise ist. In jedem anderen Fach hat man ja auch erst seine Grundlagen, die man einfach auswendig können muss. Aber in Medizin wird es nach dem Physikum ja nicht viel anders. Letztendlich kann man später die vielen Informationen logisch verknüpfen, aber man muss (außer in Epidemiologie, Statistik usw.) eben alles neue einfach erstmal auswendig lernen. Mir fehlt das logische Denken, Herleiten usw.

    Habe zwar bisher keine Prüfung verhauen, war im DN so bei den 70-80% bei Prüfungsergebnissen, habe also auch nie an der Bestehensgrenze gekratzt. Aber ich habe trotzdem einfach gaaar keine Motivation mehr. Wäre es so, dass es nach dem Physikum kein dummes Auswendiglernen mehr gäbe, oder sehr stark reduziert, dann könnte ich mich sicher einfach überwinden. Aber die Aussicht, dass ich bis ans Ende meiner Tage von morgens bis abends irgendwelche Informationen stumpf auswendig lerne, tötet meine Motivation.

    Antworten
    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

      Den Punkt den du ansprichst war ebenfalls ein Grund, weswegen ich mich nicht mehr in dem Feld oder Studium gesehen habe. Mir hat die Arroganz vieler Professoren und Studierenden nicht gefallen. Viele waren der Meinung es wäre hochkomplex und viel schwieriger als andere Studiengänge. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Im Grunde genommen sind die Strukturen einfach zu veraltet und sorgen für sinnlosen Stress und für sinnlose „Auswendiglernen-Phasen“. Rein von der Komplexität sind Studienfächer wie Informatik, Physik und Ingeneursstudiengänge wahrscheinlich deutlich schwieriger und verlangen weitaus mehr von den Studierenden. Hier hat man nur das Glück, dass die Fakultäten eine gute Fachschaft haben und es regelmäßige Updates der Studien-und Prüfungsverordnungen gibt. Dadurch ist es ein besseres Miteinander und es wird nicht noch zusätzlich Stress aufgebaut.

      Doch zurück Zum Thema: Ich verstehe dein Problem wirklich und finde es schade, dass viele Studierende genau darüber klagen, es sich jedoch nichts daran ändert. Und das obwohl es mittlerweile genug Studienergebnisse darüber gibt, wie wenig Auswendiglernen wirklich bringt.

      Ich wünsche dir viel Erfolg in Zukunft!

      Antworten
  • Hi! Ich bin Ärztin in einem kommunalen Krankenhaus. Bin 29, arbeite seit (fast) 4 Jahren.

    Ich studierte in Osteuropa (bin dort geboren) und habe schon während des Studiums ähnliche Gefühle gehabt wie du. Das Lernmaterial war echt hart, irgendwie war das ganze nur auf die Theorie fokusiert, die Praktika waren eher bagatellisiert, viele sind aus der Uni gekommen, ohne eine Nadel legen zu können. Bei bestimmten Fächern gab es echtes „Terror“.

    Diese ganze Studienjahre haben mich am Ende quasi „leergesaugt“, die Staatsexamen konnte ich nur noch mit Hilfe von Schlafmitteln überleben. (vllt war das schon ein burnout?)

    Ich dachte damals, die Arbeit wird an den deutschen Kliniken bestimmt sehr gut sein. Deutschland – hochentwickeltes Land – tolles Gesundheitswesen. Alle dachten so. Das Geld ist gut – keine Frage, aber „Rechte“ hat man gar nicht mehr wenn man im Krankenhaus arbeitet. Überstunden werden nicht ausgezahlt oder freigegeben, man hat manchmal keine Zeit zum Essen (oder auf Toilette zu gehen), man wird als Anfänger total alleine gelassen, und wenn was schief läuft – dann bist du Schuld. Die Arbeitsbelastung ist enorm, es gibt Personalmangel, Patienten werden schlecht versorgt. Ich könnte noch lange erzählen, welche Probleme noch vorhanden sind, eins ist aber sicher: dein Körper und Psyche werden bestimmt daran leiden.

    Ich weiss es nicht, wieso muss man körperlich und psychisch kaputtgehen, wenn man Arzt ist? Wieso muss der Klinikalltag so belastend sein?

    In diesem System können nur wirklich diejenige überleben, die sich selbst „veropfern“ möchten und damit den Märtyren spielen… Es gibt wirklich solche. Ich denke es hat was mit dem „Elitengefühl“ zu tun. „Ich arbeite viel mehr als alle andere. Meine Arbeit ist viel wichtiger.“

    Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen bereut, nach dem Abitur nicht was anderes gemacht zu haben. Jetzt bin ich irgendwie in diesem System gefangen.

    Ich denke du warst schon richtig, dass du das Studium früh abgebrochen hast, es war sehr mutig. Ich hatte damals zu viel Angst das zu tun, weil dann „nichts aus mir wird“.

    So ist es halt. Wir alle müssen das Beste daraus zu machen was wir jetzt haben 🙂

    Antworten
    • Danke für deinen ausführlichen und sehr interessanten Einblick in deinen Werdegang.

      Du bringst es ziemlich gut auf den Punkt! Leider wird es viel zu oft als etwas „normales“ dargestellt schlaflose Nächste und Schlafmittel zu nehmen. Warum alles so konservativ und stressig sein muss kann ich leider bis heute nicht beantworten. Vielleicht brauchen das manche Mediziner*innen um sich selbst und anderen etwas zu beweisen. Ich kenne das noch von mir selbst. Je mehr 24 Stundenschichten ich im Rettungsdienst hatte und je mehr schwere Notfälle, desto besser habe ich mich gefühlt. Desto wichtiger habe ich mich gefühlt. Teilweise hatte das schon arrogante Züge. Je fertiger ich mich gefühlt habe, desto wertvoller habe ich mich gleichzeitig gefühlt. Klingt irgendwie paradox.

      Ich bin der Meinung, dass es nie zu spät ist etwas zu ändern, so lange es einen wirklich negativ beeinflusst. Stillstand und Resignation können früher oder später zu toxischen Wegbegleitern werden. Selbst wenn man nach dem PJ merkt, dass man daran kaputt gehen kann, dann sollte man es definitiv nicht weitermachen. Egal wie alt man ist oder was Freunde, Familie dazu sagen könnten. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, dass es Möglichkeiten gibt auch während seiner Medizinerkarriere gegen den Strom zu „schwimmen“. Muss man tatsächlich eine Doktorarbeit schreiben oder macht man es nur, weil es andere ebenfalls so machen? Muss ich unbedingt in die Uniklinik oder reicht auch ein gemütlichen Krankenhaus außerhalb der Großstadt? Muss ich um jeden Preis Vollzeit arbeiten oder kann ich in der heutigen Zeit auch etwas mehr Freiraum in meinem Vertrag verhandeln und es reichen vielleicht auch 30 oder 35 Stunden wöchentliche Arbeitszeit? Es ist alles möglich und man hat es zu jeder Zeit in der eigenen Hand.

      Ich finde es sehr spannend, wie viel Feedback ich aufgrund des Artikels bekomme und welcher Gesprächsbedarf in diesem Thema steckt.

      Ganz liebe Grüße und viel Glück und Freude auf deinem weiteren Lebensweg!

      Antworten
    • Hallo. Ich habe letztes Jahr mit 29 mit dem Studium angefangen. Ich hatte davor vieles andere ausprobiert und nichts hatte so richtig zu mir gepasst. Dann kam mit 24 der Umbruch. Ich habe mein Abitur nachgeholt und hatte mein Ziel immer höher gesetzt, so energiegeladen wie ich da war. Ich konnte mich so enfalten in diesen 3 Jahren. Weil ich nicht direkt den Platz bekam, studierte ich 2 Semester Ingenieurswesen. Das wollte ich für mich nicht und dann wurde es sicher. Es sollte Medizin werden. Mein 2-wöchiges Praktikum in der Hautklinik musste ich nach ein paar Tagen abbrechen, da ich nach einer OP zusammenbrach und dann einen Magen Darm Infekt bekam. Es ist mir bis heute unerklärlich, wie das passiert ist. Da hatte ich es einfach ignoriert. Seit dem ich mit dem Studium angefangen habe, dreht sich alles nur noch um das jenes. Wenn man mit ananderen spricht, wird man damit identifiziert, als hätte man ein drittes Bein. Aber nein, ich bin immer noch ich mit all meinen kreativen Seiten. Ich kann das so gut verstehen, dass dir das gefehlt hat. Mit ist Entfaltung auch immens wichtig für mein Leben und ich denke, dass ich einfach ein Typ bin, der gerne verschiedene Dinge macht. Ich stehe absolut nicht hinter dieser konservativen Mediziner Blase. Nur traue ich mich nicht, wegen meines Alters abzubrechen, weil ich dann „verloren“ wäre. Wie kommt man mit aus dieser Bredullie heraus?

      Antworten
  • Hallo, ich habe deinen Artikel gerade gefunden und möchte mich auch gerne zu dem Thema äußern. Ich bin gerade in der ersten richtigen Woche meines Medizinstudiums und ich hasse jede Sekunde davon. Ich bin überzeugt davon, dass ich das Studium schaffen kann, wenn ich mich wirklich dransetze und lerne. Allerdings fehlt mir jegliche Motivation und die Fächer interessieren mich leider überhaupt nicht. Das Medizinstudium bietet einem sehr viele Vorteile und man hat später einen relativ sicheren Arbeitsplatz. Außerdem hört man ständig von Familie und Freunden, wie toll die Berufswahl ist und das man unbedingt weiter machen sollte. Ich merke aber jetzt schon, wie unglücklich ich eigentlich bin. Ich denke nicht, dass es normal ist in der Orientierungswoche jeden Tag zu weinen, weil man merkt, dass man die falsche Wahl getroffen hat. Nichtsdestotrotz bin ich mir dann wieder unsicher, weil mir der Beruf ja später doch noch Spaß machen könnte…
    Ein Studium abzubrechen ist eine sehr schwere Entscheidung. Wenn man es tatsächlich macht, muss man wieder von vorne anfangen und fragt sich, was wohl sonst zu einem passen würde. Es entsteht zusätzlicher Druck, da man jetzt wirklich die richtige Wahl treffen muss, denn noch ein Studium abzubrechen ist einfach nicht drin.

    Ich Danke dir für diesen Artikel, er hat mir Mut gegeben und mich etwas in meinen Zweifeln bestärkt! 🙂

    Antworten
    • Hey Jenny,
      ich bin im zweiten Semester. Habe oben meine Ansicht vom Studium schon ausgeführt. Finde das Studium inhaltlich schon spannend, auch wenn mir Technik und Informatik fehlen, zwei weitere Interessengebiete von mir. Mir gefällt aber dieses völlig mit Müll überladene Studium nicht. Mein Lieblingsprofessor hatte es im ersten Semester schon super angemerkt. Er sagte durch den med. Fortschritt wird das Studium mit immer neuen Dingen gefüllt, aber nichts wird rausgenommen. Dadurch hetzt man jetzt nur noch von einer Prüfung zur anderen, es bleibt nichts wirklich hängen und man versteht nichts wirklich tiefgreifend. Den Schrott kann man sich echt sparen. Später wird es dich in keiner Situation weiterbringen zu wissen wie viele Moleküle von X in der biochemischen Reaktion Y umgesetzt werden. Man sollte an solchen stellen wirklich, auch als Lehrpersonal, mal in der Realität ankommen und das Verständnis fördern, anstatt bis zum letzten Fitzel nur auswendig lernen zu lassen. Das vergisst man dann drei Tage nach der Prüfung eh wieder. Wenn du es doch mal brauchst, ein Mal in 30 Jahren, dann guckst du es eben nach. Mir fehlt es, dass die wirklich wichtigen Dinge vernünftig durchgenommen werden. D.h. die Inhalte, die man akut und oft brauchen kann und eben nicht mal eben googlen kann. Jeder der meint die Inhalte, zumindest in der Vorklinik, seien wirklich (zum Großteil) wichtig ist echt vor die Wand gelaufen.

      An dieser Stelle aber mein Rat an dich. Selbst wenn ich diese Einstellung habe, brich dein Studium nicht vorschnell ab. Du bist im ersten Semester. Das hat ja gerade erst begonnen. Es kann also auch sein, dass du einfach von der neuen Situation völlig erschlagen bist. Lass dir also Zeit und mach ein bisschen weiter, oder mach eine Auszeit und guck, was du vielleicht alternativ machen willst. Wenn du was findest und sicher bist, dann brich ab, wenn du willst. Aber nicht vorschnell. Denn wenn du dich exmatrikulierst, dann ist dein Studienplatz halt weg. Deswegen warte ich auch noch ab. Ganz in Ruhe, bis zum Sommersemester. Dann plane ich meinen Wechsel oder mache regulär weiter.

      Antworten
  • Hallo ihr alle.
    Ich bin gerade auf diesen Artikel gestoßen und er passt wirklich sehr gut. Ich bin total zermürbt vom Studium (ihr habt alle Gründe genannt :sonnloses lernen, arrogante Profs, Druck,..). Ich habe allerdings vor Medizin schon etwas anderes studiert und für Medizin gewechselt. Wenn ich nun zurückwechsle fühle ich mich wie ein Versager. Denn „wer hört schon mit Medizin auf“. Hier ist wieder das Gesellschaftliche Bild, was mich leider beeinflusst. Ich hoffe ich finde meinen Weg noch.
    Dein Beitrag hat mir wirklich aus dem Herz gesprochen

    Antworten
  • Ich kann alles, was du an negativen Aspekten über das Studium schilderst, nur dick unterstreichen. Du hast so ziemlich alles aufgezählt, was mich bis ins Unerträgliche nervt, v.a. die fehlenden freien Gestaltungsmöglichkeiten des Studiums, die extrem konservative und m.E. veraltete Form der Lehre. Ich bin mittlerweile auch so weit, dass ich wohl endgültig aufhören werde, auch wenn mir diese Entscheidung wirklich nicht leicht fällt, obwohl ich schon meinen Plan B zur Hand habe, den ich direkt nach dem Abi eigentlich auch schon hatte, jedoch habe ich mich damals nicht getraut, gleich diesen Weg zu gehen.
    Da ich mit Medizin extrem familiär vorbelastet sind, habe ich mich – auch wenn das sich für Außenstehende vollkommen dämlich anhören muss – irgendwie gezwungen zu sehen, auch diesen Weg einzuschlagen, obwohl ich an Naturwissenschaften und der Medizin immer nur mäßiges Interesse hatte. Interesse an medizinischen Themen war zwar da, aber viel mehr oberflächlich, so dass ich nach 3 Jahren wirklich einsehen muss, dass es mich mittlerweile kaum noch interessiert. Tatsächlich studiere ich mit Medizin so ziemlich genau an meinen Interessen und Neigungen vorbei und ich ärgere mich schwarz, dass ich damals dachte, das Medizinstudium wäre eine gute Idee. Meine Motivation dafür war vor allem extrinsischer Natur: sicherer Arbeitsplatz und gutes Gehalt als Arzt – insbesondere als Frau. Das hier ist ein weiterer familiärer Grund: wirklich keiner im engeren Kreis der Familie hat irgendwas mit Wirtschaft o.ä. studiert, ausnahmslos alle sind auf der (Zahn)Medizin + Pharmazieschiene, alle haben ein Staatsexamen, da wird natürlich auf die Bachelor und Masterstudiengänge herabgelächelt und es herrscht die gängige Meinung vor, dass man als Frau eh nicht so viel Auswahl hat, da man in der Wirtschaft viel schlechter bezahlt wird, Wirtschaft außerdem jeder studiert und man nach eventueller Geburt eines Kinders sowieso weg vom Fenster ist (diese Bedenken sind sicherlich nicht ganz unberechtigt, aber es kann doch irgendwie nicht sein, dass nur das Medizinstudium als Allheilmittel erstrebenswert ist).

    Im Gegensatz zu ein paar anderen Leuten, die hier kommentiert haben, bin ich leider schon recht weit im Studium, mittlerweile im 7. Semester, weshalb ich aktuell noch mit mir ringe, den Schritt des Abbruchs endgültig durchzuziehen. Eigentlich wollte ich nach dem Physikum schon die Reißleine ziehen, jedoch war meine mündliche Prüfung erst sehr spät, ich war anschließend komplett erschöpft und nachdem sehr viele Personen mir geraten haben, ich solle mir die ersten klinischen Semester doch noch ansehen, „du wirst sehen, es wird besser“, habe ich – teils auch aus Bequemlichkeit – weiterstudiert. Ich muss auch sagen, dieses „es wird besser“ kenne und höre ich so auch nur in Bezug auf das Medizinstudium. Diese Phrase wird gern verwendet, sobald bei jemanden Zweifel an diesem Studium aufkommen, insbesondere, wenn diese Zweifel sich früh äußern und nicht nur im Rahmen einer kleinen kritischen Phase in der Klausurenzeit. „Es wird besser“ nach dem Präpkurs, nach dem Physikum, nach Pharma etc… wenn man allerdings ernsthafte Zweifel hat, ob man den Arztberuf überhaupt noch ergreifen will und ob man dafür geeignet ist, wird nichts besser, so viel habe ich mittlerweile bemerkt. Mein Entschluss, nach diesem Semester aufzuhören, steht eigentlich endgültig fest; nichtsdestotrotz bin ich unglaublich verunsichert, da ich von den Meinungen, die mir als Gegenargument für einen Abbruch vorgehalten wurden, doch stark beeinflusst worden bin: Mit Medizin muss man nicht als Arzt arbeiten, man kann damit wirklich alles machen, denk an die Arbeitsplatzsicherheit und die Unabhängigkeit von der Wirtschaft – sieht man doch jetzt in Zeiten von Corona, die Ärzte haben ihren Job alle noch und der Verdienst ist wirklich gut usw..!.
    Da ich trotz all dieser Argumente jedoch seit nun fast 2 Jahren durchweg unglücklich bin und ich nicht mehr glaube, dass das noch besser wird, v.a. da meine Interessen wirklich woanders liegen, ist es wohl besser, aufzuhören. Natürlich ist das sehr schade um die investierte Zeit und der Bruch im Lebenslauf wurmt mich jetzt schon, da studientechnisch bis jetzt alles perfekt gelaufen ist.

    Antworten
  • Lisa Fahldieck
    14. Dezember 2020 08:50

    Hallo Micha,
    mir geht es ganz genauso. Ich bin noch nicht lange dabei, aber ich bin super unglücklich. Ich habe jeden Tag starke Kopfschmerzen und Bauchschmerzen und ich wünsche mir nichts anderes als nach Hause zu können.
    Medizin war immer mein Traum, dafür habe ich eigentlich mein Abi gemacht aber jetzt stelle ich fest, dass ich in meinem Leben mehr machen möchte als von morgens bis abends nur zu lernen und unter einem enormen Druck zu stehen…

    Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Ich wäre so gerne in der Nähe meiner Freunde und meines Freundes und möchte ein schönes ruhiges Leben führen… Klingt bestimmt doof, dass ich das mit 19 sage, aber so ist es..

    Nur wüsste ich einfach nicht, was ich nach dem Abbruch machen sollte. Ich habe mich nie damit auseinandergesetzt. Ich dachte an Lehramt oder ein Jahr Pause, damit ich mich seelisch und gesundheitlich erholen kann.
    Hast du einen Rat?😞

    Antworten
    • Guten Tag!
      Erstmal kann ich deine Worte sehr gut nachvollziehen. Da ich dich nicht persönlich kenne, kann ich dir leider keinen richtig guten Rat geben. Versuch aber vielleicht die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten und ein wenig objektiver. Ganz nüchtern betrachtet gibt es in Deutschland tausende Ausbildungsberufe und Studiengänge. Es gibt somit ein riesige Anzahl an möglichen Alternativen. Nicht nur Medizin ist abwechslungsreich, anspruchsvoll und gut bezahlt. Was macht dir denn alles Spaß und war Medizin wirklich deine Leidenschaft oder hast du es aufgrund deines guten Abis und der Meinungen deiner Familie/Freunde angefangen?

      Ich finde es einfach wichtig, nichts zu überstürzen. Leider bekommt man vermittelt, dass man mit 19 den absoluten Plan haben muss und was sicheres machen sollte. Wenn ich meinem 19 jährigen Ich einen Tipp geben würde, dann die Welt zu entdecken. Erstmal ein Jahr lang mich und die Welt zu entdecken. Diese Lebenserfahrung und die Dinge und Talente die du in dir entdecken wirst, kann dir kein Semester beibringen. Wichtig ist, dass man nicht verzagt und auch wichtige Entscheidungen nüchtern betrachtet.

      Ich wünsche dir viel Glück, Lebensfreude und Erfolg für dein weiteres Leben! 🙂

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  • Mich erschrecken die Kommentare hier. In Deutschland scheint es anscheinend so zu sein, dass Medizin der Studiengang schlechthin ist. Ich habe mein erstes Studium in Amerika gemacht und hier haben nur sehr wenige über Medizin nachgedacht. Die meisten hatten ihre Passionen und haben dementsprechend das Fach studiert. Lasst euch doch nicht so von euren Eltern oder dem restlichen sozialen Umfeld/der Gesellschaft so dermassen beeinflussen. Meine Passion ist Medizin, ich will Ärztin werden und nichts anderes. Die Inhalte des Studiums interessieren mich. Komischerweise haben beide meiner Eltern gesagt, meine Mutter ist Ärztin, dass ich es nicht studieren soll, denn in meinem Umfeld legt man nicht wert darauf unbedingt Akademiker zu werden. Die meisten meiner studierten Familienmitglieder haben das gemacht, worauf sie Lust hatten und arbeiten teilweise jetzt auch in Amerika als Interior Designering oder Graphic Designerin, eine Cousine als Übersetzerin und Kanada und alle von denen haben sich ein Haus kaufen können. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich es wirklich nur studieren soll, wenn ich es wirklich will. Der Beruf ist ein Beruf wie jeder andere auch, mit Schattenseiten und positiven Seiten. Überlegt euch doch mal wirklich, ob ihr das seid und wollt. Keiner zwingt euch und je mehr ihr euch an die Gesellschaft anpasst, desto schwieriger wird es auch für andere sich solchen Vorurteilen entgegenzustellen und zu sagen „Ich mach das, was meinem Character und Persönlichkeit liegt und mit dem ich einigermassen gut Geld verdienen kann“.

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    • Outdoornomaden
      20. Januar 2021 09:58

      Hey:) Danke für deinen wirklich ausführlichen Kommentar. Uns ist ebenfalls während unserer Auslandsaufenthalte in Neuseeland, Australien etc. aufgefallen, dass nur in Deutschland so ein riesiger „Hype“ um den Arztberuf gemacht wird. Leider blicken viele junge Leute nicht über den Tellerrand hinaus und sind oftmals schlichtweg zu jung um eine reflektierte Entscheidung treffen zu können. Wenn man 17 oder 18 Jahre seines Lebens wohl behütet im Elternhaus verbracht hat und die eigenen Erfahrungen auf dieser Grundlage aufbauen, dann trifft man meist nicht die eigenen Entscheidungen, sondern fußt seine Entscheidungsgrundlage auf den Erfahrungen von anderen Menschen.

      Für viele wird es auch eine gute Grundlage sein und die Entscheidung wird super in ihr Leben passen. Für viele kann es jedoch toxisch sein und der Punkt, dass dann eigene Entscheidungen von Eltern belächelt oder schlichtweg nicht akzeptiert werden sorgt für noch größere Probleme. Schade, dass Eltern immer seltener ihre Kinder einen eigenen Weg gehen lassen. Man vergisst immer, dass ein andere Weg für eine andere Person perfekt sein kann, auch wenn man selbst diesen Weg nie beschreiten würde.

      Ganz liebe Grüße und danke für diesen Einblick!

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  • Medizin ist absolut nicht (mehr) mein Studium. Bin mittlerweile im 6. Semester und habe nur durch sehr schlechte Ratschläge wie „es wird besser“ weitergemacht, anstatt auf mein Bauchgefühl zu hören. Medizin ist nicht das göttliche Studium, das über allem steht. Es ist ein stink normales Studienfach wie jedes andere auch. Es ist nicht schwieriger als andere Fächer, die Schwierigkeit macht fast ausschließlich die unnötig hohe Stoffmenge aus, die man zum größten Teil nur auswendig lernt.

    Mittlerweile bereue ich sehr stark, dass ich nicht direkt nach 1-2 Semestern meinem Bauchgefühl gefolgt bin und gewechselt bzw. abgebrochen habe. Nachdem jetzt das dritte Lockdown-Online-Semester begonnen hat, überlege ich endlich den Schritt zu wagen, den ich aufgrund sinnloser Hinhalte-Ratschläge ewig nicht gewagt habe.

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  • Danke für diesen coolen Artikel!
    Ich fühle mich manchmal allein, weil meine Freunde alle super motiviert für das Studium sind. Deshalb freue ich mich, dass auch andere gibt, die nicht 100% sicher sind und offen darüber reden.
    Ich kann mich an vielen Kommentaren nur anschließen. Ich bin jetzt im 5. Semester und hatte vor kurzem mein Physikum und es war die schlechteste Zeit meines Lebens. Ich stelle jetzt meine Entscheidung in Frage. Und weiße nicht, ob ich zum Ende meines Lebens nur hasseln möchte. Mir ist es wirklich wert, Zeit für andere Sachen zu haben für Sport, Musik, Freunde und Familie. Ich habe wirklich Angst, mein Leben für die Arbeit abzugeben. Ich habe die Letzten Jahre immer wieder eine Depression gehabt und der Grund war nicht nur das Studium sondern auch andere Situationen. Ich bin jetzt 22 und überlege mir, ob ich wirklich für das Ende meines Lebens nur arbeiten will. Ich habe leider nicht die Sicherheit, die viele deutsche Studierende haben. Ich komme nicht aus Europa und der Grund, warum ich hier bin, ist das Studium. Ich habe wirklich Angst vor diesem Schritt und weiß nicht, was ich tun soll. Mein Familie ist auch überhaupt nicht unterstützend. Alle wollen, das ich weiter studiere und das „erstmal“ zu Ende mache.

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  • Hi,
    Ich bin Assistenzärztin für Neurologie und von meinen bisherigen Arbeitsverhältnissen auch recht enttäuscht. Nicht die eigene Ausbildung steht im Vordergrund, sondern Profit am Fall und eine hohe Fallzahl. Man schrubbt Überstunden, hängt den ganzen Tag nur am PC, hat kaum mit Patienten zu tun, hat nie Zeit, muss eigentlich nicht wirklich das eigene Hirn verwenden. Ich langweile mich und bin zugleich unter ständigem zeitlichen Druck. Mittlerweile habe ich auch Lust, einfach hinzuschmeißen. Das Studium fand ich teilweise sehr interessant, das Auswendiggelerne aber einfach überflüssig und sinnentleert. Müsste echt reformiert werden. Da ich eher kreativ bin und kein Lerntyp, war ich auch oft genervt, überfordert und hatte kaum Zeit für Soziales. Im Job ist dafür erst recht keine Zeit mehr durch die Dienste und Überstunden. Studium und Beruf haben mich recht einsam gemacht.

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  • Mein ersten Tag an der Uni gabs es ein Spiel, wir mussten in Gruppen antworten was wollen wir werden nach dem Medizinstudium? Nicht Patienten helfen, forschen oder was in der Art auf der spirituellen Ebene. Alle wollten Großverdienern sein. Das hat mich so schockiert :0 ich komme aus einen armes Land und für Ausländer sind mündliche Prüfungen .. schrecklich! Arzt oder viel schlimmer Pflegeschuler zu sein ist wirklich eine Zumutung, dort wird man mit einer respektlosigkeit behandelt. Das Gesundheitssystem ist wirklich gefühllos wo man eigentlich ein Herz für kranken und sterbenden haben sollte.
    Ich habe mach 3 Jahren mein Medizintudium abgebrochen.

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  • Hi ihr alle,
    Ich habe mir gerade den Artikel und die ganzen Kommentare durchgelesen und wurde davon sehr berührt. Ich bin leider auch schon längere Zeit dabei (komme jetzt ins 5. Semester) und habe Angst die letzten zwei Jahre verschwendet zu haben, sollte ich jetzt abbrechen. Nüchtern betrachtet hatte ich allerdings jedes Semester mindestens einen Nervenzusammenbruch, so viel wie in den letzten zwei Jahren habe ich wahrscheinlich nicht mal als Baby geweint und selbst jetzt nach zwei Monaten Semesterferien habe ich keinerlei Motivation eigentlich interessanten Stoff gelehrt zu bekommen. Meine Kommiliton:innen sind auch alle sehr motiviert und wenn man Zweifel äußert wird es nicht so ganz für bare Münze genommen. Aber diese ganzen Zwänge im Studium und in der Medizinerwelt treiben mich in den Wahnsinn. Man muss quasi perfekt sein und alles nach dem ersten Mal hören wissen. Außerdem habe ich das Gefühl ich verblöde immer mehr im Studium: Stoff reinzwingen, Stoff rauskotzen aber selber denken ist völlig irrelevant.
    Vielen Dank für die Diskussion hier. Ich denke eure Punkte haben mir mein Bauchgefühl etwas klarer gemacht.
    LG

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    • Isabelle Godmann
      2. Oktober 2021 20:47

      Hey Mila,
      Ehrlich gesagt muss ich über all die Kommentare meistens ironisch lachen, weil es einfach zeigt wie bekloppt dieses System ist und es auch zeigt wie vielen es so ergeht. Es gibt auch andere Studiengange wo Leute zweifeln, aber meistens aufgrund des Faches. Bei Medizin denkt man zu wissen was man bekommt und ich denke dass die meisten die Vorstellung vom niedergelassenen Arzt weiterhin traumhaft finden ( ich übrigens auch). Die Leute zerbrechen an dem System im Studium und im Krankenhaus. Vielen kommt die Erkenntnis auch erst im Assistenzarzt, aber dann ist man so weit dass man das noch durchzieht und dann kann die Krankenhauswelt auch verlassen. Ich habe vorher in der medizinischen Industrie zum Thema klinische Studien gearbeitet und es haben sich haufenweise Mediziner beworben die nach 1 Jahr FA das Handtuch schmeißen. Hauptsächlich war es die work Life Balance und ein unangenehmes Arbeitsklima. Hat mich auch nicht abgeschreckt Medizin vor 4 Jahren anzufangen und nun sitze ich mit 32 Jahren im sinkenden Schiff und denke nur „ ruhig, ruhig, ruhig“ . In der Realität ist es aber bei mir „ Kotz, Kotz, Kotz“. Wie schön ist es auf einmal ein WE oder Gleitzeit zu haben? Flexibel zu sein? Ohne negativen Stress? Befreundete Assistenzärzte sehen ihre Partner teilweise 4,5 Tage am Stuck wegen des Schichtdienstes nicht. Bekloppt oder? Bei anderen verschiebt sich meines Erachtens auch die Realität. Die haben so viel „Sch..“ vorher gefressen, dass sie es auf einmal ganz toll finden nur von 2 der Kollegen vorgeführt zu werden oder auch mal ganze 2 Std geschlafen zu haben. Als „ Außenstehende“ kann ich das meistens gar nicht nachvollziehen.
      Ich persönlich finde es gut dass du auf deinen Körper hörst. Wenn man sich unwohl fühlt ist es ja vollig normal dass man hinterfragt warum das so ist. Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es oft nicht nur eine kurze Phase ist sondern dass es sich halt durchzieht, da das System sich nicht ändert. Zu den Staatsexamen und Klausurphasen fühlt man sich elend. Das wird von allen als „ normal“ beschrieben weil sich jeder so fühlt. Wieso ist das normal?? Wieso ist es normal schlaflose Nächte zu haben? Ich verstehe es einfach nicht. Mit meiner „Oldie „ Lerngruppe furs Physikum saßen wir alle wie manisch depressive Leichen da. Auch da habe ich mich oft kaputt gelacht, weil ich es total irrsinnig finde wie erwachsene Menschen ( inklusive mir) auf einmal so sein können. Wenn mir jmd sagt „ lass doch morgen mal den Mount Everest hochgehen“ sag ich auch nicht „ na klar“, sondern „ können wir machen. Aber da muss ich erstmal ein paar Wochen trainieren“. Die Zeit bleibt aber in diesem Studium nicht. Genauso bekloppt finde ich es dass jeder Arzt seinen Patienten sagt: reduzieren Sie den Stress. Das ist ungesund. Und selber gibt man sich dem Stress pur hin.
      Jeder der das Studium beendet, findet ja auch seinen Weg. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber die Vorstellung vom schönen Arzt Dasein wird einem genommen. Ich bin sowas von verärgert über dieses System und dem Gefühl was vermittelt wird „ je fertiger du dich machst, desto geiler bist du“, weil es eigentlich einer der schönsten Berufe sein sollte die es gibt.

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  • Ich konnte mich in diesem Artikel sehr wiederfinden, mit dem Unterschied, dass ich das Studium nur für meine Eltern angefangen habe und nie Interesse am Fach hatte. Das merke ich auch sehr stark, ich habe gar keine Motivation außer die Angst, beim Durchfallen durch Prüfungen keine richtigen Ferien zu haben.
    Dass man keine Zeit oder Energie für Sachen, in denen ich mich WIRKLICH gerne weiterbilden würde, hat, belastet mich auch enorm. Ich fühle mich, als würde ich Zeit verschwenden (+ auf diesen Gebieten „verdummen“) und mir selbst was vorgaukeln. Mir kommt die Lernweise auch sehr passiv vor (Unmengen an Stoff einfach in sich reindrücken, kaum etwas selbst produzieren). Dazu kommt noch das ständige Überfordertsein und die grobe und willkürliche Art, mit der man als Medizinstudent behandelt wird. Ich fühle mich nicht wie ein Mensch, sondern, als sei ich anderen Menschen ständig „ausgeliefert“, falls das Sinn macht. Ich wusste auch immer, was ich lieber studieren würde, habe mich nach dem Abi aber das einfach nicht getraut. Immer wenn ich meine motivierten Kommilitonen sehe, fühle ich mich sehr fehl am Platz.
    Nach einem zumindest auf Papier erfolgreichem Jahr (alle Klausuren beim Erstversuch sehr gut bestanden, auch wenn das Jahr mich psychisch zerstört hat), haben wir in den Semesterferien ein Praktikum beim Hausarzt gemacht (Modellstudiengang) und mir ist klar geworden: Ich möchte kein Arzt werden. Auf gar keinen Fall.
    Zum Glück ist nur ein Jahr bislang vergangen. Ist zwar schade, dass die bislang erbrachten Leistungen „umsonst“ sein werden, allerdings wird aus einem bei fehlender Motivation auch kein guter Arzt, selbst wenn man sich durch die Studienjahre durchkämpfen sollte! Und ich habe großen Respekt vor diesem Beruf, deswegen denke ich, sollte ich aussteigen, solange ich noch kann. Als ich mir nach dem Praktikum zum erstenmal „erlaubt“ habe, einen Abbruch/Wechsel ernsthaft in Erwägung zu ziehen, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen und ich habe zum ersten Mal seit Studienbeginn wieder Optimismus im Hinblick auf meine Zukunft gespürt (seit Studienbeginn hab ich mich nämlich eher so gefühlt, als sei ich bereits „gestorben“, ich habe mich oft gefragt, womit ich das „verdient habe“ etc.).
    Die wenigen Leute, die wissen das ich Medizin studiere (habe es ungern Leuten erzählt) haben mich in dieser Entscheidung auch bekräftigt und konnten gar nicht nachvollziehen, wieso ich überhaupt angefangen habe, wenn es mir so geht. Ein Freund meinte sogar, er sei froh, dass ich es endlich „eingesehen habe“ und er hätte mich „geschlagen“, wäre ich wirklich Ärztin geworden 😀
    Allerdings kommen jetzt plötzlich Ängste auf, wie ich es meinen Eltern bzw. meinem Vater (meine Mutter steht völlig auf meiner Seite seit sie meine mentale Verfassung im Studium mitbekommen hat) beibringen soll. Ich habe das Gefühl, ich würde ihm dann schon fast sein Herz brechen. Er hat zwar mitbekommen, dass es mir sehr schlecht ging, es aber als „Gewöhnungsphase“ oder so abgetan (er meinte auch oft zu mir, keinem mache sein Studium Spaß, nach zwei Jahren würde ich mich eh dran gewöhnen, ich soll mich nicht so anstellen, ob ich stattdessen nur rumsitzen möchte etc.). Ich weiß, letztendlich ist es mein Leben, aber es fällt mir dennoch so schwer. Als ich angefangen habe, meinte er überglücklich zu mir: „Jetzt kann ich in Ruhe sterben, da ich weiß, du wirst eine sichere Zukunft haben“. Er hat mir auch überall so gut es ging in diesem Jahr beigestanden. Ich fühle mich irgendwie so, als würde ich ihn „verraten“. Es wird meine Entscheidung zwar (hoffentlich) nicht ändern und ich habe viel Unterstützung auf meiner Seite (meine Mutter sagt auch, er wird es verstehen und ich mache mir zuviele Gedanken), aber es tut trotzdem irgendwo weh und ich weiß gar nicht, wie ich so ein Gespräch beginnen soll..
    Artikel wie diesen finde ich sehr hilfreich und angenehm, denn es ist sehr bekräftigend, Leute, die das Studium selbst erlebt haben, seine eigene Perspektive teilen zu sehen!

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  • Hallo Nicole,
    du bist mit deiner Situation absolut nicht allein. Ich habe hier ja auch schon kommentiert und ich weiß nicht, ob es dich tröstet, aber meine Situation war 1 zu 1 exakt dieselbe, bis auf den Unterschied, dass ich im Regelstudiengang war und meine Mutter den Druck auf mich ausgeübt hat, nicht so sehr mein Vater. Auch von meiner Mutter durfte ich mir lange anhören, das ein Studium nicht Spaß zu machen habe, sondern ernst ist, ob ich stattdessen lieber „tralala“ durch die Uni spazieren möchte (ich bin jetzt noch sauer, während ich das schreibe, da mich dies damals sehr verletzt hat, schließlich ist mir ein Studium und Bildung allgemein sehr ernst, aber das Medizinstudium hat mir nicht nur nicht gefallen, sondern mich psychisch fertig gemacht, sodass ich letztendlich in eine leichte bis mittlere Depression gerutscht bin). Meine Mutter konnte absolut nicht verstehen, wie ich ein Studium mit so guten beruflichen Perspektiven und so gutem Verdienst nicht mögen könne. Ich habe letztendlich doch abgebrochen, leider sehr spät (nach 8 Regelsemestern) und etwas angefangen, das mich wirklich interessiert. Wirklich gut geht es mir leider trotzdem noch nicht, da für mich insgesamt 4 Jahre Lebensqualität unwiederbringlich verloren gegangen sind, ich noch nicht sicher weiß, ob mein jetziges Studium wirklich das richtige ist und ich vor Kurzem 23 geworden bin und sehe, wie andere Leute, die mit mir Abitur gemacht haben und auf Bachelor und Master studiert haben, langsam fertig werden und ich bei Null stehe, weswegen ich noch immer zweifle, ob ich nicht doch noch mal die Zähne zusammenbeißen und einfach fertig machen soll und das, obwohl ich mir den klassischen Arztberuf für mich absolut nicht mehr vorstellen kann.

    Was ich also sagen möchte: Wenn du dir sicher bist, dass du abbrechen möchtest, dann warte nicht so lange wie ich. Ich habe durch das ewige „Es wird besser“, die Jobaussichten sind toll, das Gehalt ist gut, alles andere ist nix etc viel zu lange gewartet und insgesamt 4 Jahre ohne jemals durchzufallen studiert, obwohl ich bereits ab dem 3. Semester nicht mehr wollte. Setze dich mit deinen Eltern zusammen, erkläre Ihnen sachlich, warum dieses Studium und, was viel wichtiger ist, dieser Beruf nicht zu dir passt und dass du diejenige bist, die mit den Konsequenzen einer Entscheidung für oder gegen das Medizinstudium zu leben hat und nicht sie. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe sehr, dass dein Vater verständnisvoller reagiert, als meine Mutter es getan hat.

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