Nach unserer Rückkehr aus Neuseeland sitzen wir in unserem WG-Zimmer. 13 Quadratmeter. Zu zweit. Neue Stadt. 35 Grad, Jahrhundertsommer. Wir sitzen da, arbeiten wie wild an unserer Idee und sehen den gesamten Sommer die Sonne kaum. Unser Start in die Unabhängigkeit. Wir erzählen wie wir digitale Nomaden wurden. Was wirst du in deiner Geschichte erzählen?

Der Prozess der Entscheidung digitaler Nomade zu werden ist meist kein leichter und geprägt von Selbstzweifeln und Existenzängsten. Uns ging es da kein bisschen anders. Bevor wir also also gleich tief in diese Ängste und limitierende Gedanken reingehen, erzählen wir erstmal ein bisschen aus dem Nähkästchen. 

Unser holpriger Weg in die Selbstständigkeit

Zurück vom Reisen, und jetzt?

Wir gingen nach Neuseeland, verliebten uns in Land und Leute, und kehrten nach fünf Monaten dennoch Heim. Geld verdienen, neue große Pläne schmieden. Ein normaler Job? Undenkbar. Über die Sommersaison arbeiteten wir als Windsurflehrer in einem Surferdorf an der Ostsee. Traumjob, dachten wir, bis uns die Realität einholte. Das Setting war anders, die Situation die Selbe. Wieder ein machtbesessener Chef und miese Arbeitsbedingungen, nur diesmal mit Meerblick statt Aussicht auf’s Gewerbegebiet. Keine zwei Wochen schafften wir den neuen Job, schon gab es die erste heftige Auseinandersetzung. F**k, dachten wir uns, haben wir ein Autoritätsproblem? Während die Welt unsere Arbeit als Traumjob stempelte, schrumpften unsere Träume an deren Unterdrückung und den Bad Vibes unseres Umfeldes. Erstmal die Arbeit und den Alltag bewältigen, dann an die Träume denken, war die Devise.

Aber wie sagte Benjamin Stramke so schön: „Ein Mensch ohne Träume ist wie ein Boot ohne Segel“ – hoffnungslos verloren auf dem Ozean der Möglichkeiten. Wir hatten uns verlaufen, und das mit einem Affenzahn, der schon respekteinflößend war. Wo möchten wir hin, fragten wir uns und fanden keine zufrieden stellende Antwort mehr.

Heute wissen wir, dass die Antwort immer da war, zugeschüttet, aber dennoch da. Die Antwort kam hoch, in den vielen kleinen Momenten in denen wir rebellisch und trotzig auf Anweisungen reagierten, die der Antwort nicht entsprachen. Wir haben erkannt, dass das Arbeiten in einem System in dem Hinterfragen nicht gewünscht ist, wohl der toxischste Trunk für die eigenen Träume ist, den wir nur trinken konnten. Unsere innere Stimme hatten wir klein gemacht, sie betäubt mit Bier, Spaß und lauter Musik.

Wir wussten nicht wohin, und gingen woher wir kamen. 

Wir gewannen keine Klarheit über unsere Ziele, und sehnten uns zurück nach einem Ort wie Neuseeland. Diese leere Landschaft und die Beschränkung auf das Wesentliche hatte uns schon bei unserer letzten Reise zu klaren Erkenntnissen verholfen. Wenn der Kopf nicht weiß, wohin die Reise führt, hilft es auf das Bauchgefühl zu hören, das hatten wir bereits gelernt. Vom einen auf den anderen Tag, entschieden wir uns, für unser bisher krassestes Abenteuer: Den Te Araroa Fernwanderweg in Neuseeland. Wir wollten Neuseelands Südinsel der Länge nach durchqueren. 3 Monate lang in vollständiger Wildnis leben. Circa 1500 Kilometer zu Fuß zurücklegen. Wir, als vollständige Wanderlaien. Unsere letzte und bisher einzige Mehrtageswanderung auf Gran Canaria brachen wir nach dem ersten Tag bereits ab. Diesmal sollte es anders werden, und letztlich wurde es das auch. Die Wanderung veränderte unser Leben, komplett. 

Es geht los. Blog, Fotografie, Selbstständigkeit. 

Auf unserer langen Reise fanden wir endlich Klarheit. Wir hatten erkannt, dass das Arbeiten für andere Menschen uns unglücklich machte, weil wir Geld gegen Lebenszeit tauschten, und waren bereit konsequente Entscheidungen zu treffen. Sobald wir nach Deutschland kamen, würden wir unsere Selbstständigkeit anmelden. 

Zurück von der Fernwanderung zogen wir für weitere drei Monate bei neuseeländischen Freunden ein. Wenn wir nicht gerade auf der Farm halfen, arbeiteten wir an unserem Blog, auf welchem wir bis dato nur für Bekannte geschrieben hatten. All unsere neuseeländischen Freunde unterstützen uns derweil wo sie nur konnten. In einer Kultur wie dieser, wo Unabhängigkeit als „Status Quo“ gilt und die Selbstständigkeit verbreiteter ist als das Angestelltenverhältnis, hatten wir endlich das richtige Umfeld für unsere Ideen und starteten so richtig durch. 

Zurück in Deutschland

Endlich das Gewerbe anmelden und auch mit Kundenaufträgen loslegen. Super euphorisiert kamen wir in wieder in Deutschland an, um direkt ein paar Tage später unser neues Zuhause zu beziehen. Ein WG-Zimmer. 13 Quadratmeter groß. In Rostock, einer Stadt zu der wir eigentlich keinen Bezug hatten und niemanden kannten. Und zack, ging die Achterbahnfahrt ab. Den heißen Jahrhundertsommer verbrachten wir in unserem WG-Zimmer vor dem PC. Kundenkaufträge bekamen wir in dieser Zeit wenige, aber unsere Idee wuchs, wir lernten inspirierende Menschen kennen und konnten endlich unsere Ideen einbringen wie wir es wollten. Zum ersten Mal in unserem Leben, waren wir zu 100% glücklich mit dem was wir taten.

Wer ein Warum im Leben hat erträgt fast jedes Wie.

Ein Business aufzubauen, digitaler Nomade zu werden, das ist kein Glück, das ist Arbeit. Auch nach einer 40 Stunden Woche machten wir heute noch nicht Feierabend. Das wohl größte Learning aus den letzen Jahren ist, dass Veränderung nur durch harte Arbeit eintritt. Dennoch, heute können wir arbeiten wann, wie und wo wir wollen. Und, wir sind glücklich. Nicht fast, nicht ein bisschen, sondern zu 120%. 

Und jetzt bist du dran.

Was wünschst du dir vom Leben?

Was ist es, was du dir vom Leben erhoffst? Wonach fleht dein innerliches Kind dich immer wieder an? Hörst du auf diese Stimme, oder betäubst auch du sie mit Spaß und lauter Musik, so wie wir es anfänglich taten? 

Und, was ist überhaupt DEIN Warum?

Was möchtest du in der Welt bewegen? Bei welchen Dingen kannst und willst du nicht mehr still sein?

Ganz schön große Fragen oder? Tatsächlich stellen sich die wenigsten Menschen diese Fragen überhaupt. Sie sind, wie wir es waren, zu sehr mit der Arbeit und dem Alltag beschäftigt um „out of the box“ zu denken. Erst wenn es dann zu spät ist, etwa eine Krankheit zuschlägt, trauern viele Menschen um die Dinge die sie NICHT getan haben. 

Wir sind deshalb unglaublich froh, dass du überhaupt bis hierher gelesen hast. Deshalb: Bevor du dich gleich wieder vom Alltag einwickeln lässt, schnapp dir doch jetzt schnell einmal Stift und Zettel und versuche die folgenden Fragen einmal nur für dich zu beantworten. Viele Antworten werden sich nicht gleich finden, sondern wahrscheinlich brauchst du einige Zeit die verschüttet gegangenen Träume wieder freizubuddeln. Trage diese Fragen mit dir durch den Alltag und du wirst sehen, dass sich die kleinen Ideen und Infos die du sammelst, zusammensetzen werden wie ein Puzzle. Solange, bis es wieder da ist, dein Warum hinter dem Wunsch digitaler Nomade zu werden. Und wenn du es gefunden hast, wirst du merken, dass es kein Zurück mehr für dich gibt. Du wirst unaufhörlich an dieses Warum denken, und deinen Gedanken Handlungen folgen lassen. Voller Tatendrang und Überzeugung. Dann lodert dass Feuer in dir, und du kannst voll durchstarten! 

So bereit? Dann los geht es:

  1. Was wünschst du dir vom Leben?
  2. Warum tust du, was du gerade tust?
  3. Was möchtest du in der Welt bewegen? 

Umgang mit Ängsten & negativen Gedanken – Die bekannten ABER’s

Du bist dabei endlich deine Ideen und Träume umzusetzen und dann kommen diese negativen Gedanken die dich Lähmen und uns von deinen Zielen abhalten. Klar, diese Urängste haben zu Zeiten in denen wir uns vor dem Säbelzahntiger fürchten müssen auch mächtig Sinn gemacht. Inzwischen sind die Säbelzahntiger aber ausgestorben und unsere Urängste eben weitestgehend Quatsch. Und … und… wir sehen es schon: Du möchtest einmal tief Luft holen um mit einem dieser tiefsitzenden „JA, ABER …“ voll loszubrabbeln. Und genau diese Reaktionskette ist der Grund dafür, weshalb wir alle unser Potential nicht ansatzweise so ausschöpfen wie es eigentlich möglich wäre. Einziger Ausweg: Wir entkräften diese fiesen „Aber’s“ soweit, dass sie zumindest nicht mehr so viel Schaden anrichten können. Also los geht’s!

Digitale Nomaden im CoLiving in Marokko
CoLiving in Taghazout – mit anderen digitalen Nomaden den Sonnenuntergang genießen

Aber #01: Aber ich habe nicht die Fähigkeiten Digitaler Nomade zu werden. 

Zunächst einmal: Die Fähigkeiten digitaler Nomade zu werden haben wir alle. Wir Menschen sind ja coolerweise ziemlich lernfähige Wesen, und dementsprechend mit den besten Fähigkeiten ausgestattet. Es kann allerdings natürlich sein, dass du momentan noch nicht ausreichende Fertigkeiten, also konkretes Wissen, entwickelt hast um so richtig durchzustarten. Das mag zwar der aktuelle Stand der Dinge sein, muss aber ja nicht immer so bleiben. Fast alle digitale Nomaden die wir kennen sind Quereinsteiger. Und ein Unternehmen zu führen, dass mussten wir alle erst lernen. Unternehmertum, das lernt man doch weder in der Schule noch in Ausbildung oder Studium.

In einer Zeit wie dieser, wo du dir sämtliches Wissen Online über YouTube, Udemy oder andere Kurse online, von der Couch aus aneignen kannst, gibt es nichts, was nicht auch du lernen könntest. Erinnere dich, auch wir sind vollkommen unwissend in die Fotografie und unseren Blog eingestiegen und haben uns Bildbearbeitung, WordPress, Marketing etc. beigebracht. 

Aber #02: Aber ich gehe ein so großes Risiko ein.

Wenn unser Unterbewusstsein Risiko meldet, sollten wir erst einmal ganz genau hingucken. Denn wir wissen, was unser Unterbewusstsein leider noch nicht gecheckt hat: Die Säbelzahntiger sind schon lange ausgestorben, und mit diesem auch so einige andere Gefahren: Eine andere Meinung als die Familie haben zum Beispiel, eigene Wege gehen, Gegenden abseits der bekannten Wälder & Wiesen erkunden, all das hätte einem in der Steinzeit schnell das Leben kosten können. Heute, naja, ist wohl das schlimmste, dass man dann zu Weihnachten eben nur via Skype zusammenkommen kann. Gruselig? Eher nicht! 

Jetzt solltest du dein sich sorgendes Unterbewusstsein aber nicht einfach verteufeln, sondern lieber überzeugen, dass die möglichen Konsequenzen deiner Entscheidung gar nicht so dramatisch sind. Das geht am besten, in dem du dir einmal ausmalst, was alles passieren könnte:  

Als Beispiel: Die Idee scheitert, ich muss nach Hause kommen und habe kein Geld mehr auf dem Konto. 

So, jetzt nimmst du Stift und Zettel und schreibst einmal auf, wovor du konkret Angst hast. Während du so schreibst denkst du bestimmt gerade, oh Gott, das ist alles so schrecklich. Jap, dein Unterbewusstsein ist im Säbelzahntiger-Modus. Aber gehen wir doch mal da rein: Ist das wirklich alles so gefährlich? Angenommen das Geld geht aus oder deine Idee scheitert. Außer einem Kratzer am Ego wirst du doch nichts davontragen, oder? Du kannst zurückkommen, dich arbeitslos melden, eine neue Arbeitsstelle suchen. Du hast die gleichen Qualifikationen wie vorher und kannst dort weitermachen wo du aufgehört hast. Hast du in diesem Fall wirklich etwas zu verlieren? 

Genau wie dieses Beispiel betrachtest du nun jeden einzelnen Punkt auf deiner Liste. Was bedeutet es für dich ganz konkret, wenn diese Situation eintritt? Du merkst ganz schnell, so schlimm ist das alles nicht. Und zack, ist dein Unterbewusstsein viel beruhigter, jetzt wo es dich in Sicherheit weiß! 

Digitale Nomaden im CoLiving in Spanien
CoLiving in Javea (Spanien) – Zusammen mit anderen digitalen Nomaden arbeiteten wir im Café

Aber #03: Aber so schlimm ist meine jetzige Situation doch gar nicht.

Wir trauen uns jetzt einfach mal dich ganz offen zu fragen: Springst du früh morgens vor Freude aus dem Bett so voller Tatendrang und Lebensfreude? Bist du noch so richtig begeistert, von dem was du tust? Lächelst du Menschen einfach so an, weil du so happy bist, dass du nicht anders kannst als ihnen davon abzugeben? 

SO kann sich das Leben nämlich anfühlen. 

Wir wissen das nur oft nicht, weil wir nicht gelernt haben was es bedeutet glücklich zu sein. Weil wir das nicht wissen, verwechseln wir auch so oft Glück mit Spaß. Aber Spaß kommt von außen, nur glücklich musst du mit dir selbst werden. 

Bist DU glücklich mit dem was du tust?

Ganz oft ist es ja so, dass wir uns selbst etwas vormachen, als Schutzschild vor uns selbst. Damit lässt sich ja eine schmerzliche Situation auch besser ertragen, schon klar. Nur leider hilft dir der Glauben daran, dass alles doch ganz okay ist, niemals dabei endlich anzupacken, und mal „Klar Schiff“ zu machen in deinem Leben. 

Je länger du diese Fassade aufrecht erhälst, desto mächtiger wird sie. Bis dann irgendwann ein Ereignis kommt, dass so schockierend ist, dass jede noch so feste Fassanden plötzlich bröckelt. Meist ist das der Punkt, wo wir früher als Rettungsassistenten ins Spiel kamen: Dann, wenn das Leben fast vorbei ist. 

Tu dir den Gefallen und warte nicht so lange.

Was wenn mich keiner versteht?

Die Entscheidung steht. Du wagst den Schritt in das Leben als digitaler Nomade. Nun möchtest du Freunde und Familie in deine Pläne einweihen. Je nachdem wie deine Familie und deine Freunde so drauf sind, kann das auch mal ein schwererer Brocken sein. Das wissen wir. Andere Wege zu gehen als andere, ist nicht immer leicht. 

Hast du Angst davor nicht verstanden zu werden, verurteilt oder abgelehnt zu werden?

Vielleicht können deine Freunde oder deine Familie nicht gleich verstehen, warum du deinen Job aufgibst um als digitaler Nomade zu reisen. Vielleicht verstehen sie auch nicht, was du als digitaler Nomade genau tust oder warum. Denke aber daran, dass deine Familie in einer anderen Zeit mit anderen Möglichkeiten groß geworden ist, weshalb für sie einige Dinge vielleicht schwerer zu greifen sind. Sollte es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, sei umsichtig und denk daran: Verschiedene Meinungen zu haben ist vollkommen okay. Du kannst die Meinungen der Anderen akzeptieren, anstelle um jeden Preis zu versuchen, diese Meinungen zu ändern. Viel wichtiger als die gleiche Meinung zu haben ist doch der gegenseitige Respekt und die Liebe füreinander. 

Das Selbe gilt natürlich auch umgedreht für deine Freunde und Verwandten: Menschen sind verschieden. Wir können einander nicht vollständig verstehen. Aber wir können die Entscheidungen der Anderen akzeptieren. Wirklich gute Freunde, werden dies tun, und das ist das Wesentliche!

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und nun: Los geht es! Die beste Zeit ist Jetzt!

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