Während unserer Zeit in Portugal haben wir Laura & André kennengelernt, die mit ihrem Mercedes Düdo und ihrem Hund Luna die Welt bereisen. Die beiden sind super sympathisch, haben den wahrscheinlich schönsten Van überhaupt und haben durch ihren YouTube Kanal Oskar the Explorer das Reisen zu ihrem Beruf gemacht. Klingt nach einem ganz schön spannenden Leben, oder? In einem Interview haben uns die beiden erzählt wie alles begann und haben ganz viele Tipps für alle die selbst mal mit einem Mercedes Düdo um die Welt reisen wollen, im Gepäck!

Die nackten Fakten vorneweg

Ihr beide
  • Laura & André
  • Auf Reisen zusammen seit: Die erste gemeinsame Reise war 2016 nach Kroatien.
  • Auf Langzeit-Reise im eigenen Van seit: April 2019 (und seitdem auch Leben im Bus, mit kurzer Unterbrechung wegen Corona)
Euer Fahrzeug
  • Marke, Modell: Mercedes Benz 407D, abgekürzt Düdo (weil der in Düsseldorf produziert wurde)
  • Motorisierung: 74 oder 72PS Motor, naja, auf jeden Fall eigentlich zu wenig für dieses Fahrzeug
  • Gesamtgewicht reisefertig: 3,5 Tonnen, eventuell sogar etwas mehr (Leergewicht ca. 2,75 Tonnen)
  • Baujahr: 1986
  • aktueller Kilometerstand: 78.956 – gekauft bei 43.000km

Die Entscheidung

Wie kam es dazu, dass ihr in einen Van gezogen seid? 

Laura: Also für mich war es so, dass ich in Berlin richtig unglücklich war. Also kurz zum Background – ich bin im Harz aufgewachsen, hab in Fulda studiert (das hab ich abgebrochen) und bin dann alleine nach Berlin gezogen für meine Ausbildung. Ich hab zwar relativ schnell andere kennengelernt, aber nicht so schnell Anschluss gefunden. Irgendwie hatte ich keine Freunde, hab mich bei der Arbeit nicht so wohl gefühlt, in der Berufsschule erst recht nicht und dann kam’s noch dazu, dass wir am Rand von Berlin gewohnt haben. Es war einfach schöner, bisschen näher an der Natur zu sein. Aber dadurch war unser Arbeitsweg jeden Tag eine Stunde hin, eine Stunde zurück und das hat mich auf Dauer echt fertig gemacht.

Und dann hatten wir bei uns ganz in der Nähe, wo wir gewohnt haben, einen Autohändler, der so alte Behördenfahrzeuge verkauft. Aus Spaß haben wir immer mal geguckt, aber das nie so richtig ernst gemeint. Einen Samstag als wir dort waren, haben andere gefragt, ob sie mal Fahrzeuge von innen sehen können und dadurch konnten wir auch mal reingucken. Wir haben dann eben auch unseren Oskar angeschaut und fanden das ziemlich cool. Ich war auch irgendwie direkt voll begeistert, ich weiß auch überhaupt gar nicht warum.

Am nächsten Tag haben wir bei Andrés Oma Kaffee getrunken und dann haben wir erzählt, dass wir uns gestern ein cooles Auto angeguckt haben. Und sie meinte: „Na dann geht ihr da morgen hin und dann kauft ihr das Ding.“ Und dann sind wir am nächsten Tag nach der Arbeit hingefahren und haben das Ding gekauft. Ich hab mich gefühlt wie „Ach du Scheiße, was mach wir hier, oh Gott, so viel Geld.“ Und was hast du gedacht?

André: Ja, ähnliches. Es war natürlich erstmal eine riesige Ausgabe. Man kann es ja auch sagen, wir haben knapp 14.000€ bezahlt. Das ist ja kein Betrag, den man so ganz spontan ausgeben sollte… Aber wir haben’s ganz spontan gemacht. Und bereut haben wir das bis heute noch nicht. Also ist es eigentlich alles richtig gewesen.

Laura: Dann hatten wir den Bus und es war eigentlich direkt klar, dass wir damit auch längere Zeit reisen. Erst wollten wir ein halbes Jahr reisen, daraus wurden zehn Monate, ein Jahr und dann irgendwie open end. (beide lachen) Also haben wir neun Monate ausgebaut, alles gekündigt und sind los.

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Wie kam es zu eurem YouTube Account?

André: Auf früheren Reisen hab ich schon immer gerne gefilmt und Reisen festgehalten. Ich hab auch so kleine Travel Videos für mich selbst privat gemacht, wollte auch schon immer einen YouTube Channel haben, aber ich wusste nie, mit welchen Themen man die dann befüllt. Bei einem 40-Stunden-Job und nur zwei Reisen im Jahr braucht man irgendwie nicht anzufangen, Travel Videos zu machen. Und dann haben wir einfach den Ausbau gefilmt. Ich glaube die ersten Videos hatten circa 100 Aufrufe. Das fing alles ganz ganz langsam an. Aber wir haben es einfach weitergeführt, es kamen immer mehr Zuschauer dazu und dann haben wir mal eine Kalifornien-Reise gemacht. Wir haben die Leute gefragt, ob sie Interesse daran hätten, dass wir so einen kleinen Urlaubsfilm drehen. Und die meisten waren davon begeistert. Irgendwie lief es und die Leute fanden uns ganz sympathisch.

Laura: Wir hatten ja auch nichts zu verlieren.

André: Wir haben also weiter YouTube gemacht und seitdem dokumentieren wir unsere Reisen. Es sind mittlerweile 102 Videos. Wir versuchen eigentlich immer wöchentlich zu sein. Meistens schaffen wir das, aber im Lockdown werden die Videoideen gerne mal ein bisschen weniger. Ich denke, dass uns die Kontinuität (grade in der Coronazeit) einen guten Push gegeben hat.

Zu eurem Van • Mercedes Düdo

Warum gerade ein Mercedes Düdo? Erzählt uns mal ein bisschen von eurem Camper. 

Laura: Das war das erste Auto, was uns vor die Füße gefallen ist. Also wir haben uns über die Autowahl eigentlich gar keine Gedanken gemacht. Der sah einfach so süß und cool aus, da haben wir ihn halt gekauft.

André: Ich glaube, wenn der Autohändler neue Sprinter verkauft hätte, wären wir nicht über diesen Hof gegangen. 

Laura: Ja, weil da standen auch immer alte VW-Busse und große LKW. Das war reizvoll, sich das mal anzuschauen.

André: Ich glaube, grade weil es so ein altes Auto war, hat es uns angezogen.

Laura: Jetzt im Nachhinein hat es schon viele Vorteile. Einmal, dadurch dass es so ein altes Auto ist, kann man super viel selbst reparieren. Wir haben hier drinnen total viel Platz, weil er so breit ist. Klar, man fährt super langsam. Aber man hat ein charmantes Auto und das ist schön.

Was war euch beim Ausbau, der Materialauswahl und eurer Raumaufteilung wichtig? 

André: Bezüglich der Materialauswahl war uns am Anfang noch nicht so klar, dass wir alles relativ zeitgetreu ausbauen müssen (weil wir einen Oldtimer haben). Aber wir wollten schon gerne viel Holz verwenden. Es sollte warm und gemütlich sein. Bei der Aufteilung war uns eigentlich von Anfang an klar, dass wir ein festes Bett und eine schön große Küche haben wollten, weil wir gern kochen. Sowie ein fest verbautes Klo, welches nicht im offenen Raum steht.

Laura: Ja, ich hab dann ein paar Skizzen angefertigt, wie man das Layout gestalten könnte. Und so wie es jetzt am Ende geworden ist, war für mich damals das Einzige, was funktioniert hat. Wir haben auch überlegt, ob die Küche auf die andere Seite soll und so weiter… Aber für uns hat nur dieses eine Konzept gepasst.

André: Ich bin auch sehr zufrieden. Auch wenn wir andere Ausbauten sehen, find ich immer, dass unseres so wie es jetzt ist, für uns selbst am besten ist.

Wie ist der Ausbau bei euch abgelaufen? Wer hatte welche Aufgabe? Habt ihr alles alleine ausgebaut oder hattet ihr Hilfe? 

Laura: Wir haben alles alleine ausgebaut und eigentlich auch so gut wie alles zusammen gemacht. Ich war öfter die „unterstützende Hand“ und André die „machende Hand“. Also, ich hab das Holz gehalten während er gesägt hat oder es festgeschraubt hat. Aber generell war das schon Teamwork.

André: Ja, Laura hatte auch immer die Vorstellung, wie sie es haben will. 😀 Und ich hab dann abends ewig lange gegrübelt, wie kann man das am besten umsetzen, wie kann das am schönsten aussehen. Bei der Elektrik hatte ich noch ein bisschen Hilfe von meinem Papa. Aber ansonsten haben wir alles alleine gemacht, auch Strom und Wasser. YouTube und Blogbeiträge waren da eine riesige Hilfe.

Was war das Herausforderndste beim Ausbau? 

André: Gute Frage… Ich glaube, für uns war das Herausfordernste, dass wir immer einen richtig schönen Ausbau haben wollten. 

Laura: Naja, und der komplette Bus ist auch gewölbt und man muss es hinkriegen, dass alles grade ist oder zumindest grade aussieht. Wir haben halt manchmal die Schnitte der schiefen Wand angepasst und dann geguckt, dass es vorne grade aussieht. Also ist die eigentliche Herausforderung, dass alles komplett schief ist und man nicht einfach was reinbauen kann. Sondern man muss immer gucken, wie passt das, wie muss das geschnitten werden…

Was ist euer Lieblingsteil im Van? Über welchen Teil des Ausbaus eures Vans seid ihr besonders glücklich?

André: Oh, ich würde sagen das Bett, oder? Weil man hinten die schönen Fenster hat. So kann man an richtig geilen Plätzen stehen und aus dem Bett hinten rausgucken auf den Sternenhimmel oder das Meer. Morgens kann die Sonne reinscheinen, also das ist meins.

Laura: Das stimmt. Aber man muss auch sagen, wenn man’s praktisch sieht, das Klo. 

André: Das ist auch was, was ich nie wieder missen würde.

Laura: Also ohne Klo würde ich nicht im Van leben wollen. Muss ich ganz ehrlich sagen. 

Ihr reist Vollzeit in eurem Van: Wie habt ihr euren Ausbau speziell auf das Vollzeit-Vanlife ausgelegt?

Laura: Ehrlich gesagt, haben wir da gar nicht drüber nachgedacht.

André: Vielleicht unterbewusst, weil wir zB. den Kleiderschrank besonders groß bemessen haben, weil wir wussten, dass da alle unsere Sachen reinmüssen.

Laura: Das war doch eher Zufall, dass der so groß geworden ist. (beide lachen)

André: Schwer zu sagen. Naja, wir haben schon darüber nachgedacht. Die Batterie haben wir zum Beispiel so gewählt, dass wir auch unterwegs Videos schneiden und Laptops laden können. Also ein paar Gedanken haben wir uns schon gemacht. Beim Wassertank haben wir 70l genommen, damit wir wirklich auch mal eine Woche irgendwo stehen können und wir haben eine Solaranlage auf dem Dach.

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Welche Tipps habt ihr an Menschen, die selbst einen Mercedes Düdo ausbauen wollen?

André: Einfach machen.

Laura: Nicht zu viel nachdenken. Generell bei jedem Ausbau. Irgendwie klappt das schon. Wir haben uns auch nicht so viele Gedanken gemacht und im Endeffekt…

André: Schritt für Schritt. Klar, wir haben auch darüber nachgedacht, wo wir irgendwelche Stromkabel und so verlegen. Aber auch das ist im Nachhinein gar nicht so ein großes Problem. Grade beim Düdo kann man mal ganz schnell durch den Holzboden ein Kabel verlegen, einfach unten am Auto entlang. Auch das haben wir jetzt schon im Nachhinein gemacht.

Zu euch und eurer Reise im Mercedes Düdo

Ihr seid schon super lang im Van unterwegs. Erzählt mal ein bisschen von euren Erlebnissen. Was hat euch besonders geprägt?

Laura: Also ich finde, am meisten hängen bleiben immer die Menschen, die man trifft.

André: Auf jeden Fall.

Laura: Irgendwie nimmt man von jedem Menschen, den man trifft, irgendetwas mit. Ob es nun ist, dass man gerne mal Containern ausprobieren will, oder dass man kreativer sein will, mehr lesen, offener zu anderen Menschen sein will. Man lernt von jedem Menschen etwas Neues und manchmal schafft man es, das in sein Leben zu integrieren. Zum Beispiel wurden wir auf einem Parkplatz im Nationalpark in Lettland von einer lettischen Familie zu denen nach Hause eingeladen. Obwohl sie grade ein riesiges Familientreffen hatten, wo Familie aus verschiedenen Ländern angereist war. Und irgendwie haben sie uns zwischen alledem noch zu sich nach Hause eingeladen. Dann standen wir mit dem Bus in deren Garten für ein paar Tage und saßen mit am großen Familientisch, wo irgendwelche Fotos angeguckt wurden.

André: Ja, das war cool.

Wie habt ihr es geschafft, euch das Vanlife zu finanzieren?

Laura: Anfangs haben wir Geld für ungefähr 10 Monate reisen gespart und hatten ein sehr schmales Budget. Wir wollten mit 700€ im Monat auskommen, laufende Kosten. Das haben wir eigentlich auch ganz gut geschafft. Nach 10 Monaten war das Ersparte dann aber aufgebraucht. Und irgendwie genau dann, haben wir angefangen Geld zu verdienen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir von YouTube die erste Auszahlung bekommen und das kam ins Rollen. Jetzt hat André noch einen Freelance Job von unserem alten Arbeitgeber. So sind wir echt auf der sicheren Seite, was das Geld angeht. 

André: Deswegen ist momentan auch kein Ende unserer Reise in Sicht, weil wir uns damit aktuell ganz gut über Wasser halten können.

Laura: Genau, für eine Wohnung wäre es nicht genug. Aber für den Lebensstil, den wir jetzt haben, reicht es auf jeden Fall vollkommen aus.

Könntet ihr euch vorstellen, je wieder in einer Stadt, in einer Wohnung und einem normalen Job zu stecken?

André: Ich glaube, für uns ist ganz klar, dass wir nicht wieder in einer Stadt feststecken wollen.

Laura: Nein genau, keine Großstadt. Also ich kann mir schon vorstellen, irgendwann wieder in einem normalen Job zu arbeiten. Solange mir der Job Spaß macht, mich ausfüllt, ich ein bisschen mehr Freiheit habe und nicht wieder dieses drückende Gefühl und Angst vorm Teammeeting. André glaube ich weniger. Unser Traum ist aber, dass wir irgendwann ein kleines Schwedenhaus am See und im Wald haben. (beide lachen) Mal gucken, wie sich das alles entwickelt.

André: Bis dahin haben wir ja noch ein bisschen Zeit.

Liebe Grüße!

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Saskia Magnus
    8. Juni 2021 22:49

    Absolute Spitze.
    Eure Videos sind so verzaubernd, dass man das Gefühl hat bei euch zu sein.
    Ich grüße das Traumpaar und Luna und bleibt so, wie ihr seit.
    Eure Videos sind ein Geschenk und danke, dass ihr uns daran teilhaben lässt.
    Alles Liebe.

    Antworten
  • Ingrid Altmaier
    31. Juli 2021 18:10

    Hallo Laura und Andre ,ich freue mich jede Woche auf eure neuen Videos. Ihr lebt meinen Traum. Ich bin bald 69 Jahre alt und habe gemeinsam mit meinem Ehemann viel von der Welt gesehen.wir würden allerdings von corona ausgebremst.Aktuell befinden wir uns im Urlaub in Österreich. Flug reisen reizen uns im Moment nicht . LEBT weiter euren Traum , ihr seid noch so jung bleibt gesund und glücklich Ingrid

    Antworten

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