Im Camper die Kaffeemaschine, den Mixer oder Staubsauger von zu Hause benutzen? Das funktioniert am einfachsten mit einem Wechselrichter, auch oft Spannungswandler genannt. Dieser wandelt den 12V Gleichstrom aus der Bordbatterie deines Campers einfach in 230V Wechselstrom um. So kannst du all deine Haushaltsgeräte, wie zu Hause auch, an die Steckdose stecken. Damit alle Geräte aber wirklich funktionieren, gibt es bei der Auswahl des Wechselrichters einige Punkte zu beachten. Worauf du beim Kauf deines Wechselrichters achten solltest und für welchen Wechselrichter wir uns entschieden haben? Hier gibt es gleich die geballte Ladung Informationen für dich!

Wechselrichter im Camper • Brauchst du den wirklich? 

Bevor du dich auf die Suche nach einem passenden Wechselrichter machst, frage dich zunächst: Bist du dir wirklich sicher, dass ein Wechselrichter im Camper für dich notwendig ist? Natürlich ist es toll, einfach alle Geräte von zu Hause auch im Camper nutzen zu können. Aber der Einbau und die Nutzung des Wechselrichters ist auch mit einigen Nachteilen verbunden. Viele Geräte lassen sich mittels passender Adapter auch mit 12V betreiben. Bei Laptops, Smartphones und sonstigen Akkus ist das meist gar kein Problem. Auf einen Wechselrichter zu verzichten spart also Kosten und Aufwand im Ausbau und außerdem so viel Strom. Der Wechselricher, und viele der an ihm betriebenen Geräte, sind nämlich kleine Stromfresser.

Möchtest du auf einen Spannungswandler trotzdem nicht verzichten, solltest du folgendes unbedingt beachten. Hier wird mit 230V gearbeitet. Eine Spannung, die schnell auch lebensgefährlich werden kann. Seit 2020 ist deshalb eine separate TÜV-Abnahme der 230V Installation, die VDE Prüfung, notwendig. Auch wir haben lange überlegt, ob es für uns Sinn hat, einen Wechselrichter im Camper zu installieren. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden. Hauptsächlich weil wir für unsere Arbeit von unterwegs die Flexibilität brauchen, mit verschiedenen Geräten arbeiten zu können. Diese Entscheidung haben wir bisher nicht bereut. Auch wenn uns während der Installation des Wechselrichters wohl einige graue Haare gewachsen sind. 

Wechselrichter top oder flop? Vor- und Nachteile des Einbaus

VorteileNachteile
Auch Haushaltsgeräte wie Staubsauger & Kaffeemaschine können im Camper genutzt werdenFür die Benutzung von Haushaltsgeräten ist ein Wechselrichter mit super viel Power (mindestens 1500W) notwendig

Wechselrichter verbrauchen viel Strom, selbst im Leerlauf

Lebensdauer der Batterie wird durch Entnahme hoher Ströme (Wechselrichtereinsatz) ggf. verkürzt

Installation von 230V ist gefährlich und sollte nur von Elektrikern unternommen werden

VDE Prüfung für 230V notwendig 

Kosten für die Beschaffung, Inbetriebnahme und Prüfung sind relativ hoch

Wow, unserem „Luxusproblem“ der freien Geräteauswahl im Camper stehen schon einige Nachteile gegenüber, oder? Aus diesem Grund haben wir uns letztlich für einen Mittelweg entschieden und einen sehr kleinen Wechselrichter mit lediglich 500W verbaut. Dieser reicht um unsere Laptops, verschiedene Akku-Typen sowie einen kleinen Stabmixer zu betreiben. Für Stromfresser wie Fön, Kaffeemaschine oder Toaster, sowie generell alle Geräte die Hitze produzieren, ist er aber deutlich zu klein. 

Welchen Wechselrichter brauche ich? 

Der Markt ist voll mit Wechselrichtern jeglicher Art, Preiskategorien und Leistungsstufen. In dem Dschungel aus Produkten verliert man schnell den Überblick. Welcher Wechselrichter ist der richtige für dich? Das hängt hauptsächlich davon ab, welche Geräte du am Wechselrichter betreiben möchtest und wie groß deine Stromreserven sind. Kannst du folgende Fragen bereits beantworten? 

  • Welche Geräte möchte ich am Wechselrichter betreiben? 
  • Wie viel Watt werden diese Geräte haben? 
  • Wie viel Kapazität haben meine Batterien?

Sinuswechselrichter oder Wechselrichter mit modifizierter Sinuswelle? 

Der Wechselrichter macht aus den 12V der Bordbatterie eine 230V Wechselspannung. Aber nicht jeder Wechselrichter produziert auch eine reine Sinuswelle, wie sie als Landstrom zur Verfügung steht. Die Spannungswandler lassen sich deshalb in Sinus-Wechselrichter, welche eine reine Sinuswelle produzieren, und Wechselrichter mit modifizierter Sinuswelle, welche eine sehr eckige „Welle“ produzieren, unterscheiden. Letztere sind in ihrer Funktionsweise weniger komplex und damit natürlich auch deutlich günstiger. Aber nicht jedes Gerät kommt auch mit solch einer modifizierten Sinuswelle klar. Um auch komplexe technische Geräte an einem Spannungswandler betreiben zu können, solltest du auf jeden Fall zu einem reinen Sinuswechselrichter greifen. 

Alternative zum stationären Wechselrichter

Wir haben uns hauptsächlich wegen der Arbeit von unterwegs für einen Wechselrichter entschieden. Bevor wir aber einen stationären Sinuswechselrichter einbauten, arbeiteten wir jahrelang lediglich mit einem kleinen, mobilen Wechselrichter im Tassenformat. Diese sind besser als ihr Ruf und wirklich günstig. Der einzige Nachteil: Diese Wechselrichter liefern meist nur eine modifizierte Sinuswelle. Für unsere MacBooks und Kameraakkus war das aber nie ein Problem. Die mobilen Wechselrichter sind wirklich eine gute Alternative für alle, welche die Kosten und Mühen des Einbaus eines stationären Wechselrichters sparen möchten. Solch ein Wechselrichter kommt ohne aufwendige 230V Installation und somit ohne VDE Prüfung aus. Da die Leistung solcher Wechselrichter aber begrenzt ist, können maximal 300W entnommen werden. Selbst dann ist der Lüfter recht laut, was uns aber bisher nie gestört hat.

Wie viel Leistung braucht mein Wechselrichter?

Wie bereits eingangs erwähnt, ist die notwendige Leistung deines Wechselrichters davon abhängig, welche Geräte (mit welcher Wattzahl) du an diesem betreiben möchtest. Aber auch die Kapazität deiner Batterie spielt eine große Rolle. Das Betreiben von Geräten mit hohen Wattzahlen saugt deine Bordbatterie in kürzester Zeit leer. Dem solltest du dir immer bewusst sein. Ist die Bordbatterie zu klein, macht es deshalb nicht viel Sinn stromfressende Haushaltsgeräte wie Fön, Wasserkocher oder Kaffeemaschine am Wechselrichter betreiben zu wollen. Um die Größe deines Wechselrichters abschätzen zu können, hilft es sehr, zunächst eine kleine Liste mit all den Geräten zu machen, welche du an diesem betreiben möchtest. Die Watt Kennzahl steht in der Regel auf der Rückseite des Gerätes (z.B. bei Küchengeräten) oder am Ladegerät (z.B. bei Laptops). Für einen schnellen Überblick kannst du auch die folgende Tabelle verwenden.

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Auslandskrankenversicherung

Ebenfalls abenteuerlustig? Wir verreisen nicht ohne Auslandskrankenversicherung. Und das solltest du auch nicht! Wieso? Und welche Anbieter sind die besten? Wir haben fleißig recherchiert um dir alle Infos hier zusammenzustellen!

Wie viel Leistung braucht welches Gerät?

MacBook60-90W
Kleiner Stabmixer300W
Smoothiemaker600W
Wasserkocher600-2000W
Kaffemaschine800-1200W
Toaster900-1500W
Fön900-2000W
Induktionsfeld2000W

Wechselrichter nicht bis zur Leistungsgrenze nutzen

Deinen Wechselrichter solltest du möglichst nicht dauerhaft an seiner Leistungsgrenze betreiben. Denn nicht nur der Lüfter macht sich dann lautstark bemerkbar, auch die Lebenszeit des Wechselrichters verkürzt sich möglicherweise. Da die meisten Geräte beim Anschalten sowieso recht hohe Anlaufströme brauchen, solltest du deinen Wechselrichter lieber etwas größer dimensionieren. 

Welchen Wechselrichter benötige ich? 

Immernoch nicht sicher, welcher Wechselrichter es werden soll? Hier kannst du dir ganz schnell einen Überblick verschaffen. 

500W Wechselrichter

Du möchtest mit deinem Wechselrichter deinen Laptop aufladen und ab und an mal einen kleinen Stabmixer benutzen.

1500W Wechselrichter

An dem Wechselrichter möchtest du verschiedene Küchengeräte benutzen. Du kannst aber darauf verzichten, mehrere dieser Geräte gleichzeitig in Betrieb zu nehmen. 

3000W Wechselrichter

Du möchtest auch mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig betreiben, kochst mit Induktion und möchtest deine Kaffeemaschine nicht missen. 

Wechselrichter in den Camper einbauen 

Ist die Entscheidung des Wechselrichter-Kaufes gefällt, folgt schon die nächste Hürde. Der Wechselrichter muss nun noch an die Batterie angeschlossen werden. 

Einkaufsliste zum Einbau des Wechselrichters

Batterie abklemmen

Bevor es an den Einbau geht, muss zunächst die Batterie abgeklemmt werden. Dabei ist es, wie auch sonst, sehr wichtig die Abklemmreihenfolge zu beachten. Immer erst den Minuspol, dann den Pluspol trennen. Beim Anklemmen wird dann in entgegengesetzter Reihenfolge vorgegangen. Würdest du anders herum verfahren, existiert die Gefahr eines Kurzschlusses. Nämlich dann wenn der Minuspol noch an die Karosserie angeschlossen ist und du beim Arbeiten am Pluspol mit deinem Werkzeug aus Versehen die Karosserie berührst. 

Der passende Platz im Elekrik-Kasten: So nah wie möglich an Batterie einbauen

Da extrem hohe Ströme von der Batterie zum Wechselrichter fließen, sollte das Kabel zwischen diesen beiden Komponenten möglichst kurz sein. Von Herstellerseiten wird dafür meist eine Kabellänge von etwa 30 Zentimetern angegeben. Diese sollte wenn möglich auch eingehalten werden, da es sonst zu größeren Verlusten im Kabel kommt. Aber auch aus der Perspektive der Sicherheit, sollten die Kabel möglichst kurz gewählt sein. Bedenke, dass der Kabelabschnitt zwischen Batterie und Sicherung nicht geschützt ist.

Der passende Kabelquerschnitt

Aufgrund der hohen Strommengen, welche der Wechselrichter benötigt, musst du zwischen Batterie und Wechselrichter besonders dicke Kabel verlegen. Für unseren 500W Wechselrichter haben wir uns beispielsweise für ein 35mm2 Kabel entschieden. Dass wir solch ein dickes Kabel verwenden mussten, liegt auch daran, dass unser Wechselrichter Anlaufströme von bis zu 1000W verträgt. Beachte dies unbedingt auch bei der Kabelauswahl für deinen Wechselrichter und wähle im Zweifelsfall immer etwas dickere Kabel. Mit 1000W würden also bereits etwa 83 Ampere durch das Kabel fließen (Rechnung: 1000W / 12V = 83A). Laut der VDE Richtlinien bräuchtest du hier bereits mindestens ein 25mm2 Kabel. 

Ein Überblick über einige Kabelquerschnitte und die maximal zugelassenen Stromstärken: 

Kabelquerschnitt in mm2max. Strom in A
1045
1661
2583
35103
50132
70165

Rohrkabelschuhe auf Kabelenden krimpen

Um die Kabel mit der Batterie, dem Wechselrichter und der Sicherung verbinden zu können, müssen an deren Enden sogenannte Rohrkabelschuhe angebracht werden. Das ist bei der Arbeit mit Kabeln jenseits der 6mm2 aber deutlich leichter gesagt als getan. Eines steht nämlich fest: Um solch einen dicken Kabelschuh fest auf dem Kabel zu befestigen, braucht es so einiges an Kraft. Mit einer kleinen Krimpzange kommt man hier nicht weit. Da muss schon ein richtig großer Hebel her! Unsere Erfahrung zeigte aber, selbst mit einem großen Hebel reicht die Muskelkraft in diesem Fall nicht aus. Bei solch großen Strömen solltest du aber nichts dem Zufall überlassen. 

Unsere Empfehlung: Benutze unbedingt eine hydraulische Krimpzange! Die Dinger sind wirklich goldwert. Das Krimpen geht super einfach und nach nur wenigen Handgriffen sitzen deine Rohrkabelschuhe unwiderruflich und fest auf dem Kabel. Eine hydraulische Krimpzange ist bereits ab 30€ zu erwerben. Alternativ kannst du diese sicherlich auch beim befreundeten KFZ-Mechatroniker oder Elektriker ausleihen. 

12V Sicherung in Plusleitung einbauen

Zur Sicherung des Stromkreislaufes von Wechselrichter und Batterie muss die Plusleitung abgesichert werden. Dafür eignet sich am besten eine sogenannte Midi-Sicherung. Die Größe dieser musst du natürlich anhand der Leistung des Wechselrichters und der Stärke des Kabels berechnen. Bist du dir unsicher, wie das geht, kannst du in unserem Artikel über die 12V Installation im Camper nochmal nachlesen. Für deine Sicherheit ist es besonders wichtig, diese Sicherung so nah wie möglich an der Batterie zu platzieren, um das Risiko eines Kabelbrandes möglichst gering zu halten. Bedenke, dass der Kabelanschnitt zwischen Sicherung und Batterie ungeschützt ist! 

230V Ausgang mit Fi/ LS Schalter

Möchtest du hinter deinem Wechselrichter mehr als eine Steckdose einbauen, muss direkt an den 230V Ausgang des Wechselrichters ein FI/LS Schutzschalter eingebaut werden. Wie der Einbau funktioniert, kannst du in unserem Artikel über die 230V Installation nachlesen (interner Link – gibt es aktuell aber noch nicht). Möchtest du immer nur ein Gerät am Wechselrichter betreiben, brauchst du nur eine Steckdose und die Notwendigkeit, einen Sicherungsautomaten einzubauen, entfällt. 

Wechselrichtergehäuse mit der Fahrzeugkarosserie verbinden

Um bei einem internen Defekt des Wechselrichters gegen einen Fehlerstrom gesichert zu sein, muss das Gehäuse des Wechselrichters mit der Karosserie verbunden sein. Dafür nutzt du den vorgesehenen Anschluss am Wechselrichter sowie ein mindestens 4mm2 Kabel in grün-gelb. 

Wechselrichter mit Batterie-Ladegerät • Unsere Wahl

Von vielen Firmen werden Wechselrichter mit den verschiedensten Zusatzfunktionen angeboten. Nach ausgiebiger Recherche haben wir uns deshalb dafür entschieden, ein Gerät zu kaufen, welches die Funktionen von Wechselrichter und Batterie-Ladegerät in einem Gehäuse unterbringt. Da das Batterieladegerät quasi sowieso schon das „Gegenstück“ zum Wechselrichter ist, indem es die 230V des Landstroms in 12V für die Batterie umwandelt, macht das unserer Meinung nach viel Sinn. Zum Vergleich: Um externen Strom zu beziehen (z.B. den vom Campingplatz), braucht es sonst ein zusätzliches Batterieladegerät, welches zusätzlich an die Batterie angeschlossen werden müsste. Der größte Vorteil dieser Kombination: Eine externe Netzvorrangschaltung muss nicht verbaut werden. Das Gerät kann so natürlich intern erkennen, ob für die 230V Stromversorgung externer oder Batteriestrom angezapft werden müssen. 

Literaturtipps zum Thema Kastenwagen Ausbau

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